Jung sagte nach den Treffen, es handele sich hier für den Bund um eine Frage, in der kein Kompromiss möglich sei. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bestätigte: "Es hat keine Annäherung stattgefunden."
Die Gegner des Luft-Boden-Schießplatzes begrüßten dennoch das Treffen in Berlin. "Es war gut und es war wichtig, dass die beiden Länderchefs mit Nachdruck ihre ablehnende Haltung deutlich gemacht haben. Das unterstreicht die Ernsthaftigkeit unserer Forderung", sagte Gerhard Schneider von der Initiative Freie Heide am Abend. Dass Jung schon im Frühjahr mit den Tiefflügen beginnen wolle, gebe Anlass zur Sorge, auch wenn bisher alle Gerichtsentscheidungen im Sinne der Gegner ausgegangen seien.
Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Landeschef Jürgen Seidel bezeichnete die Wiederinbetriebnahme des Bombodrom als "unsinnig" und unterstützte die Ankündigung Ringstorffs, alle rechtlichen Möglichkeiten dagegen auszuschöpfen. "Für uns steht fest: Die Bundeswehr kommt seit 15 Jahre ohne den Platz aus, sie sollte sich darauf einstellen, dass dies auch so bleibt" sagte Seidel. Der Übungsplatz gefährde Investitionen und könne zu erheblichen Einbußen für die Tourismusbranche in der Mecklenburgischen Seenplatte führen.
Jung dagegen betonte, dass die Bundeswehr den Truppenübungsplatz im Norden Brandenburgs brauche. Die Luftwaffe wolle sich aber auf 1700 Flüge im Jahr und 25 Stunden in der Woche beschränken. Der Minister rechnet damit, dass die anhängigen Gerichtsentscheidungen noch in der ersten Hälfte dieses Jahres vorliegen werden. "Und ich hoffe, dass aus der Sicht der Bundeswehr diese Entscheidung positiv ausfallen wird."
Platzeck betonte: "Wir haben in dieser Region nicht umsonst eine der größten Bürgerbewegungen." Sowohl er als auch Ringstorff wiesen auf den Tourismusfaktor in der Kyritz-Ruppiner Heide hin. Nach den Worten Platzecks ist er dort "die einzige Wertschöpfungsmöglichkeit".
Auch nach den Worten Ringstorffs hat das Gespräch kein Ergebnis gebracht. In der für das Bombodrom geplanten Einflugschneise seien bereits Gelder investiert worden. Wegen des "Schwebezustands" blieben aber weitere Investitionen aus. Ansässige Tourismusunternehmen befürchteten erhebliche Einbußen bei den Buchungen, warnte Ringstorff. Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth sagte: "Ich bedauere, dass das heutige Gespräch ohne Einigung beendet wurde. Erneut wurde damit eine große Chance für die Region vertan. Sanfter Tourismus statt laute Bomben ist die Zukunftschance für die Kyritz-Ruppiner Heide."
Anwohner, Umweltverbände sowie die Länder Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern wehren sich vehement dagegen, dass der Bund etwa 120 Kilometer nördlich von Berlin den größten Tiefflugübungsplatz in Mitteleuropa einrichten will. (dpa/mb)