Manfred Geisler (60) aus Forst ahnte nichts Böses, als er mit der Recherche über Ehrenbürger der Stadt für das Jahrbuch begonnen hat. "Ich bin dann darauf gestoßen, dass bei der Stadtverordnetenversammlung am 28. März 1933 Adolf Hitler und am 5. Mai 1933 Wilhelm Kube, früherer Gauleiter von Brandenburg, in Forst die Ehrenbürgerschaft verliehen wurde", so Geisler. Geprüft und beratenEntsetzt wandte er sich an die Stadtverwaltung und schrieb die Fraktionsvorsitzenden an. "Ich habe leider keine Reaktion bekommen. Ich finde es schlimm, dass sich vor einem Jahr niemand geäußert hat", sagt der 60-Jährige. Geisler konnte nicht wissen, dass sich die Stadtoberen sehr wohl intensiv mit der Thematik beschäftigt haben. "Wir haben den Hinweis geprüft und beraten", sagt Jürgen Goldschmidt (FDP), Forster Bürgermeister. Die juristische Sachlage war deutlich geregelt. Eine Ehrenbürgerschaft erlischt mit dem Tod des Geehrten, da es sich um ein höchst persönliches Recht handelt. Außerdem hat die Direktive 38 des Alliierten Kontrollrates vom 12. Oktober 1946 den Verlust des Ehrenbürgerrechts von Kriegsverbrechern, Nationalisten und Militaristen bestimmt. Adolf Hitler sei somit formaljuristisch kein Ehrenbürger mehr, sagt Goldschmidt. Trotzdem wollte die Stadt ein deutliches Zeichen setzen und stimmte der Beschlussvorlage zur Aberkennung im Haupt- und Wirtschaftsausschuss am 9. September einstimmig zu. "Forst war vom Zweiten Weltkrieg besonders betroffen. Wir wollen mit der posthumen Aberkennung einen Schlussstrich unter dieses schreckliche Kapitel setzen", so der Forster Bürgermeister. Am 24. September wird in der Stadtverordnetenversammlung entschieden. In Cottbus hat es die Stadt bisher dabei bewenden lassen, die Ehrenbürger im Goldenen Buch aufzulisten. "Die Seiten, auf denen Kriegsverbrecher stehen, wurden überklebt. Wir haben damit ein klares Zeichen gegen diese Personen und deren Taten gesetzt", sagt Wieland Eschenburg, Büroleiter des Oberbürgermeisters. Guben distanzierte sichGuben geht zurückhaltend mit dem Thema um. "Mit dem Tod von Hitler hat sich auch seine Ehrenbürgerschaft erübrigt", sagt Gudrun Wendler, Pressesprecherin der Stadt. Zwar habe sich die Stadt im Jahr 2000 von Hitler als Ehrenbürger distanziert, zu einer symbolischen Aberkennung, wie in Forst geplant, kam es aber nicht. "Das Rechtsamt hat die Sachlage geprüft. Damit war der Fall klar." Dr. Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topographie des Terrors in Berlin, plädiert für eine symbolische Aberkennung. "Ich unterstütze die Aktivitäten, wenn darüber in den Städten diskutiert wird. Mir ist es lieber, wenn es zweimal zu einer Aberkennung kommt, als wenn die Menschen sich nicht ganz sicher sind", so Nachama. Auch Dirk Wilking, Leiter des mobilen Beratungsteams in Brandenburg, das sich für "eine starke und lebendige Demokratie" einsetzt, begrüßt die Forster Offensive. "Die Wirkung eines solchen Schrittes ist sehr positiv. Ich würde aber weitergehen und Plätze und Straßen, wo nachweisbar Unrecht geschehen ist, nach Leuten benennen, die sich für Demokratie und Menschenrechte eingesetzt haben." Jürgen Goldschmidt hat diese Idee aufgenommen. "Wir sollten positiv über Umbenennungen im Rahmen eines passenden Anlasses nachdenken", so der Forster Bürgermeister. Dass das Forster Engagement als Vorbild dienen kann, zeigt die Situation in Spremberg. "Im Stadtarchiv liegen nur die Unterlagen ab 1959 vor. Die früheren Jahre sind im Landeshauptarchiv in Potsdam und deren Außenstelle in Lübben vorhanden", sagt Alexander Adam, Stadtsprecher in Spremberg. "Wir werden prüfen, wie es um eventuelle ehemalige Ehrenbürgerschaften von Kriegsverbrechern steht."Auch Symbolik wichtigManfred Geisler ist mittlerweile froh, dass seine Anregung nicht nur eine Diskussion, sondern auch Taten zur Folge hatte. "Es freut mich, dass von der Stadt Forst ein Zeichen gesetzt wird. Solche symbolischen Handlungen haben immer eine große Bedeutung. Der Zeitpunkt ist egal."