Aber die Bundesregierung und unsere Gesellschaft stellen sich damit einem Kapitel der Geschichte, das über viele Jahrzehnte hinweg ausgeblendet und verharmlost worden ist. Der Holocaust an 500 000 Sinti und Roma hat seine eigene Dimension. Er wurde genauso systematisch geplant und organisiert wie der Völkermord an den Juden.

Verharmlost ist ein schwerer Vorwurf.
Deutschland hat sich zu Recht mit dem Holocaust an den sechs Millionen Juden auseinandergesetzt. Es gab aber keine Aufarbeitung in Bezug auf unsere Minderheit. Die Überlebenden wurden systematisch aus der Entschädigung für das erlittene Unrecht ausgeschlossen. Dieses Denkmal setzt ein Zeichen, dass der Antiziganismus genauso geächtet werden muss wie der Antisemitismus. Beide Gruppen, Juden wie Sinti und Roma, hatten in Europa schon immer die Sündenbockfunktion. Und heute erleben wir, dass unsere Minderheit wieder verantwortlich gemacht wird für Arbeitslosigkeit, Kriminalität und wirtschaftlichen Niedergang vor allem in Osteuropa.

Was kann ein Denkmal da bewirken?
Der wahre Wert liegt darin, dass es nicht irgendwo steht, sondern vor dem Deutschen Bundestag, nur wenige Schritte vom Brandenburger Tor entfernt. Damit drückt dieser Staat seine Verantwortung aus. Und die muss jetzt auch politisch umgesetzt werden. Ich wünsche mir, dass die Parlamentarier, die an diesem Denkmal vorbeikommen, sich ganz klar gegen Populismus, Hetze und Rassenhass einsetzen. Heute geht es nicht um Sinti und Roma oder um Juden, es geht um unser demokratisches Selbstverständnis.

Mit Romani Rose

sprach Nada Weigelt, dpa