Porsch darf damit sein Mandat bis zum Ende der Wahlperiode im Herbst 2009 behalten. Er plant jedoch, sich im Laufe dieses Sommers vom Vorsitz der Fraktion zurückzuziehen. Porsch sagte der RUNDSCHAU, er sehe nach dem Gerichtsbeschluss bestätigt, dass die Vorwürfe gegen ihn schon zur Landtagswahl 2004 den Wählern bekannt gewesen seien. Das Wählervotum sei daher zu respektieren und dürfe nicht von anderen geändert werden. "Die Wähler haben mir vertraut", so Porsch. Eine IM-Tätigkeit hatte der Germanistikprofessor stets bestritten. Er sei allenfalls ohne sein Wissen abgeschöpft worden.
Im Mai hatten 87 von 121 anwesenden Parlamentariern jedoch für die Anklage gestimmt. Die Abgeordneten zeigten sich überzeugt, dass Porsch Mitte der 80er-Jahre als IM "Christoph" wissentlich und willentlich für die Stasi gespitzelt habe. Das Mandat sei daher untragbar. Nach Ansicht der Richter kamen die Parlamentarier jedoch zu spät. Alle Fakten und Beweise, die zur Anklage führten, seien schon am Tag der Konstituierung des Landtages im Oktober 2004 bekannt gewesen. Die Jahresfrist sei damit im Oktober 2005 abgelaufen. Die Abgeordneten hatten dagegen als Stichtag den Eingang der Akten aus der Birthler-Behörde im Juni 2005 angesehen.
In einer ersten Reaktion sagte CDU-Fraktionschef Fritz Hähle auf Anfrage der RUNDSCHAU: "Die Vorwürfe einer Mitarbeit für das frühere Ministerium für Staatssicherheit sind damit nicht ausgeräumt." Der Landtag müsse die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes aber akzeptieren. Die Grünen bedauerten die formale Entscheidung. "Die zu Recht erhobenen Vorwürfe gegen Porsch bleiben nun ungeklärt", so Karl-Heinz Gerstenberg. Zufrieden zeigte sich Linkspartei-Chefin Cornelia Ernst. "Das ist ein guter Tag für die Demokratie in Sachsen." Der Richterspruch sei ein Sieg des Rechtstaates über "politisch motivierte Willkür" anderer Fraktionen.