Ein Pfleger betreut im Schnitt 24 Patienten - auf den Krankenhausstationen in Südostdeutschland herrscht nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi nachts Personalnot. Meist arbeite nur ein Pfleger, geht aus einer am Montag veröffentlichten Verdi-Umfrage hervor. Die Gewerkschaft hatte vergangene Woche in der Nacht zum Freitag über 300 Pflegekräfte in 26 Kliniken in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt befragt. Bundesweite Stichproben in mehr als 200 Krankenhäusern ergaben ähnliche Ergebnisse.

Die Nachtschichten müssten mit mindestens zwei Personen besetzt werden, fordert die Gewerkschaft. Pfleger hätten heute kaum Zeit für die Betreuung Dementer, Schwerkranker und Sterbender, sagte Verdi-Fachfrau Gisela Mende. Die Situation sei so schlimm, dass kranke Mitarbeiter aus Rücksicht oft nicht zu Hause blieben.

Über die vergangenen 20 Jahre habe sich der Nachtdienst verändert, sagte Mende. Blutentnahmen oder das Wechseln von Verbänden und Infusionen müssten heute in der Nacht erledigt werden. Außerdem seien die Dokumentationspflichten ins Unerträgliche angewachsen. Bei der Finanzierung der Krankenhäuser werde nicht berücksichtigt, dass die Patienten älter werden und so der Pflegeaufwand steige, sagte Mende.

Zudem gebe es zu wenig Bewerber auf offene Stellen, ergänzte Pfleger Mike Schulze. „Das ist ein Knochenjob.“ 86 Prozent der von Verdi Befragten sagten, eine ungestörte Pause gebe es nie.

Wie viele Pfleger nötig seien, komme auf die Art der Station an, sagte der Sprecher des sächsischen Sozialministeriums Ralph Schreiber. Den Personalbedarf regele außerdem die Klinik, die ein wirtschaftliches Unternehmen sei. Verdi fordert eine gesetzliche Regelung.