Es hat schon größeren Andrang auf den Fluren und vor den Türen der Cottbuser Lebensmittelüberwachung gegeben. "Immerhin haben wir in den zurückliegenden Jahren schon einiges hinter uns gebracht", erklärt die Lebensmittelkontrolleurin Jana Weiser mit dem Verweis auf EHEC-Erreger, Dioxin-Eier oder Gammelfleisch. Am Dienstag habe lediglich eine ältere Dame mit ihrer Dosen-Ravioli an der Amtspforte angeklopft und gefragt, ob die denn noch genießbar sei. Das Produkt habe die Frau Ende 2012 in einem Supermarkt gekauft.

Jana Weiser konnte ihr nur den Rat geben, die Ware zurückzugeben. Die großen Einzelhandelsdiscounter mit den günstigen No-Name-Produkten seien zurzeit überaus kulant, seitdem sie festgestellt hätten, dass sie alle vom jüngsten Pferdefleisch-Skandal betroffen sein könnten. Viel mehr lässt sich auch den Dutzenden verunsicherten Verbrauchern, die täglich bei der Veterinär- und Lebensmittelüberwachung im Rathaus anrufen, nicht vermitteln.

Nicht mehr als eine "Argumentationshilfe" sind seit Mittwochmittag die ersten Ergebnisse von sechs Proben, die im Landeslabor Berlin-Brandenburg auf DNA vom Pferd untersucht wurden. Die Tests sind negativ ausgefallen. Es wurde kein Pferdefleisch nachgewiesen. Weil aber noch weitere Proben analysiert werden, "können wir keine Entwarnung geben", betont Brandenburgs Verbraucherschutz-Ministerin Anita Tack (Linke). Neben drei Produktionsbetrieben sind bisher im Land auch ein Kühlhaus, eine Gaststätte und sechs Lager betroffen, die mit Fertigprodukten mit nicht deklariertem Pferdefleisch beliefert wurden. "Nicht alle Vermutungen bestätigen sich", sagt Tack. "Aber die Lebensmittelkontrolleure gehen allen Anhaltspunkten nach."

In Cottbus sind es fünf Kontrolleure, ein Lebensmittelchemiker und zwei Tierärzte, die sich auf die Spur machen. "Zurzeit ist da allerdings kaum noch etwas zu holen", schildert Jana Weiser. Alles, was belastet sein könnte, sei raus aus den Regalen und Truhen. Da würden die Ketten auch aufgrund des medialen Drucks heute schnell reagieren. Wenn Bürger dennoch Auffälliges melden, "gehen wir dem natürlich nach".

Weiser räumt allerdings mit der Vorstellung auf, dass Lebensmittelkontrolleure überall sein könnten. "Im Normalfall suchen wir uns Proben von Herstellern aus der Stadt oder der Region aus. Besonders leichtverderbliche Lebensmittel stehen im Mittelpunkt der Untersuchung, oder wenn der Verdacht auf Täuschung besteht wie bei Käse- oder Schinkenimitaten", schildert sie. Zukünftig würden nun verstärkt Fertigprodukte geprüft. Zudem würde Hinweisen der Verbraucher nachgegangen.

So wie im sächsischen Hoyerswerda, wo aufgrund einer RTL-Sendung ein Döner-Hersteller in den Verdacht geraten ist, Pferdefleisch mit zu verarbeiten - das Tiefkühlfleisch soll aus Polen und Rumänien gekommen sein. Für das Landratsamt Bautzen ist der Hinweis Anlass, genau zu prüfen.

Für Jana Weiser, die in Brandenburg Landeschefin des Verbandes der Lebensmittelkontrolleure ist, zeige der Fall, dass künftig nicht nur auf die Lieferpapiere geachtet werden darf. "Die Unternehmen sollten die Rohstoffe schon vor der Verarbeitung testen. Immerhin fällt schlechte Ware nicht nur auf denn Produzenten, sondern vor allem auf die Händler zurück", erklärt Weiser.

In dieser Beziehung sieht sie den Aktionsplan von Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) auf dem richtigen Weg. Immerhin würden auch bei den Tausenden jährlichen Tests des Landeslabors vorwiegend Kennzeichnungsmängel beanstandet. "Pferdefleisch gefährdet nicht die Gesundheit. Aber es gehört nicht untergeschmuggelt". Auch der jüngste Skandal ist für Jana Weiser ein Fall von Wirtschaftskriminalität, den es aufzuklären gilt: Ein Kilogramm Rind für drei Euro steht einem Kilogramm Pferd für 0,30 Euro gegenüber. Offenbar sei die Versuchung, auf Kosten der Verbraucher Profit zu machen, immer wieder groß. Jana Weiser: "Unsere Aufgabe ist es, die Verbraucher vor Gesundheitsschädigung und Täuschung zu schützen".

Hinweise auf gesundheitsschädigende Lebensmittel gibt es unter:

lebensmittelwarnung.de

Zum Thema:
Das Landeslabor Berlin-Brandenburg mit den Standorten Berlin und Frankfurt (Oder) weist im Jahresbericht 2011 mehr als 760 000 Einsendungen aus, die wissenschaftlich untersucht wurden. Daraus resultieren rund 1,15 Millionen Laborleistungen, was die fachliche und rechtliche Begutachtung beinhaltet. Untersuchungsgegenstände waren Futtermittel (auf Dioxin getestet), Radioaktivität von Importlebensmitteln oder Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen im Honig. Seit 2011 ist das Labor als Kompetenzzentrum für Bedarfsgegenstände mit Körperkontakt, für Kosmetika, für Nahrungsergänzungsmittel und Süßwaren tätig.