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| 02:45 Uhr

"Verbraucher können Signale setzen"

Für den neuen Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) steht der Tierschutz ganz oben auf der Agenda. Im Gespräch mit der RUNDSCHAU kündigt er weitere Verbesserungen an – und fordert mehr Zurückhaltung beim Wegwerfen von Lebensmitteln.

Herr Minister, der Tierschutz hat in den vergangenen Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Im Koalitionsvertrag wird eine "nationale Tierwohloffensive" angekündigt. Was ist darunter zu verstehen?

Tierschutz und unser Umgang mit Geschöpfen ist mir wichtig. Wir müssen einen Dialog darüber führen, wie wir mit der Schöpfung umgehen wollen. Wichtig ist beispielsweise, dass wir die Sachkunde der Tierhalter fördern und bundeseinheitliche Prüf- und Zulassungsverfahren für Tierhaltungssysteme einführen.

Vertragen sich Massentierhaltung und Tierschutz?
Unsere Tierschutzgesetze gelten für alle Tiere - egal ob sie in einem kleinen oder einem großen Stall leben. Entscheidend dabei sind vor allem die Sachkunde der Tierhalter und das Management des Betriebes. Große Betriebe haben häufig mehr finanziellen Spielraum, zum Beispiel für Umbauten, die den neuesten Tierschutz- und Umweltstandards entsprechen. In kleineren Ställen wiederum kann eine intensivere Betreuung erfolgen. Dies alles wird ergänzt durch die Förderung, die eine klare Ausrichtung auf eine Verbesserung der Tierschutzstandards legt. Klar ist: Ob groß oder klein - der Tierschutz muss gewährleistet sein.

Planen Sie erneute Anpassungen des Tierschutzgesetzes oder von Nutztierhaltungsverordnungen?
Wie wichtig uns der Tierschutz ist, sehen Sie schon daran, dass wir das Tierschutzgesetz in der vergangenen Legislaturperiode erstmals seit Bestehen novelliert haben. Wir werden sehen, wie sich diese Änderungen auswirken werden. Und es wird weitere Verbesserungen geben. Im Juni tritt die neue Verordnung für mehr Tierschutz bei der Haltung von Kaninchen in Kraft.

Mehr Masse bedeutet augenscheinlich auch geringere Preise. Lässt sich da gegensteuern?
Ich sehe die derzeitigen Dumping-Preise bei den Discountern kritisch. Aber die Verbraucher können eigene Signale setzen und verstärkt nach regionalen und werthaltigen Produkten mit Gütesiegel nachfragen. Das beeinflusst auch den Wettbewerb zwischen den Handelsunternehmen.

Sind Lebensmittel zu billig?
Es gibt viele Menschen, die jeden Cent herumdrehen müssen. Wir können uns glücklich schätzen: Lebensmittel sind bei uns, auch ohne immer weiteres Drehen der Preisspirale nach unten, immer noch deutlich preisgünstiger als in den meisten Nachbarländern. Und das Angebot in Deutschland ist so vielfältig und hochwertig wie in nur wenigen Staaten der Welt. Deswegen sind Lebensmittel aus Deutschland ja auch Exportschlager.

Aber fehlt es nicht auch an gesellschaftlicher Wertschätzung für Lebensmittel?
Wir sollten uns klar machen, dass Lebensmittel Mittel zum Leben sind und viel Mühe und Arbeit darin stecken. Ich freue mich, dass die Verbraucher verstärkt nach regionalen Lebensmitteln fragen, und Qualität zu schätzen wissen. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Viele Verbraucher verwirrt das Mindesthaltbarkeitsdatum. Braucht es eine klarere Etikettierung, damit weniger weggeworfen wird?
Dass so viele Lebensmittel weggeworfen werden, die eigentlich noch gegessen werden könnten, halte ich für nicht hinnehmbar. Wir klären ja seit Längerem über die Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums auf - in Supermärkten, in Zeitungsanzeigen, im Internet. Unsere Kampagne "Zu gut für die Tonne" hat viele Menschen erreicht, die jetzt wissen: das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum.

Ein Großteil der Bevölkerung ist gegen Gentechnik in der Landwirtschaft. Ignoriert die Bundesregierung nicht diesen Fakt?
Im Gegenteil. Wir haben diese Sorgen der Bevölkerung ja sehr bewusst in den Koalitionsvertrag reingeschrieben und fühlen uns verpflichtet, diese Vorbehalte ernst zu nehmen.

Aber die Enthaltung Deutschlands beim Mais 1507 hat einen verheerenden Eindruck hinterlassen.
Der Anbau von Genmais 1507 ist bislang nicht zugelassen. Die Bevölkerung will ihn nicht. Ich will ihn nicht. Aber wir sind im Gespräch über eine sogenannte Opt-Out-Regel, nach der einzelne Länder oder Regionen trotz EU-Zulassung selbst über den Anbau entscheiden können. Ich würde eine solche Regelung begrüßen. Mit ihr könnten dann die Bundesländer über den Anbau des Genmais 1507 selbst entscheiden.

Mit Christian Schmidt

sprach Hagen Strauß