Die weitaus meisten Verbraucher in Europa lehnen Genprodukte rundweg ab. Trotzdem können sie bislang nicht sicher sein, ob etwa ihre Frühstücksflocken nicht doch genmanipulierte Bestandteile enthalten. Mit dieser Unsicherheit soll bald Schluss sein, denn die EU-Agrar- und Umweltminister sind sich einig, dass der Weg gentechnisch veränderter Organismen (GVO) vom Acker bis zum Endprodukt klar nachgezeichnet werden muss und dies auch auf Supermarktetiketten deutlich zu erkennen sein soll.
"Diejenigen, die sich nicht mit solchen Produkten ernähren wollen, haben damit die Wahlfreiheit", sagt Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) zur EU-Einigung auf strikte Regeln zur Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnungspflicht von Gen-Organismen. Falls mit der Gentechnik etwas schief läuft und etwa Rückrufaktionen gestartet werden, kann mit den neuen Bestimmungen der Verursacher haftbar gemacht werden. "Wer solche Dinge auf den Markt bringt, muss auch genau sagen, was drin ist", sagt der Minister.
Dies gilt nicht nur für Endprodukte, sondern etwa beispielsweise auch für in Europa angelandete Schiffsladungen mit Mais aus den USA, der beispielsweise an spanische Kühe verfüttert werden soll. Die Importeure müssen von den Lieferanten eine Liste mit genauen Informationen darüber bekommen, ob und welche GVO in der Ladung enthalten sind. So kann letztlich auch der Bauer sicher sein, seinem Vieh kein Gen-Futter gegeben zu haben, wenn er es nicht will.
Henning Strodthoff von der internationalen Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßt die Einigung auf strenge Vorgaben: "Die Kennzeichnung für den Verbraucher ist damit gesichert." Als warnendes Beispiel verweist er auf die USA, wo es kein System zur Rückverfolgbarkeit von GVO gibt. Dort seien im Jahr 2000 Lebensmittel zurückgerufen worden, die mit einem bestimmten Gen-Mais verunreinigt waren, der nur als Tierfutter zugelassen war. "Dabei entstanden Kosten von über einer Milliarde US-Dollar."
EU-Umweltkommissarin Margot Wallström verspricht sich von den neuen strengen Regeln künftig eine höhere Akzeptanz von Gen-Produkten bei Verbrauchern. Außerdem hofft sie auf ein Ende der mehrjährigen Blockade mehrerer EU-Länder, darunter Frankreich und Österreich, bei der Zulassung gentechnisch veränderter Organismen.