Herr zu Guttenberg, welche Schachfigur hat die Bundeskanzlerin von Ihnen denn in diesem Jahr bekommen?
Einen schwarzen Turm.

Jetzt stehen schon zehn Figuren in Merkels Büro. Wie viele sollen es denn noch werden?
Das hängt natürlich davon ab, wie lange sie noch Bundeskanzlerin bleibt. Wir könnten ihr so viele schenken, wie ein Schachbrett hergibt, das wären dann 32.

Ist der deutsche Wald gesund?
Laut der jüngsten Bundeswaldinventur ist er so ökologisch und forstwirtschaftlich produktiv wie nie zuvor in der modernen Zeit. Es gibt aber neue Herausforderungen, allen voran der Klimawandel.

Ist der tatsächlich jetzt schon spürbar?
Ja. Wir haben mehr Orkane, mehr Trockenheit, mehr Schädlinge und mehr Waldbrände als früher.

Welche Konsequenzen hat die erhöhte Waldbrandgefahr?
Die meisten Brände gehen auf unvorsichtiges Verhalten der Waldbesucher zurück, sei es, dass geraucht oder Feuer gemacht oder Müll im Wald deponiert wird. Hier würden wir uns natürlich ein verantwortungsbewussteres Verhalten wünschen. Für die Behörden bedeutet die Entwicklung, dass die Waldbrandüberwachung wahrscheinlich deutlich ausgebaut werden muss.

Werden wegen des Klimawandels künftig andere Bäume in Deutschland angepflanzt als jetzt?
Sicher werden wir auf eine breitere Palette von Baumarten zurückgreifen müssen, weil viele unserer bisherigen Baumarten den neuen Standortbedingungen nicht gewachsen sind. Bereits jetzt haben wir durch Trockenheit und Schädlingsbefall teilweise große Schäden - nicht nur bei der Fichte, auch bei der Buche und Eiche. Wir werden also vermehrt auf klimatolerante Baumarten wie die Douglasie, die Roteiche oder die Küstentanne ausweichen müssen.

Bei den Klimaverhandlungen in Paris haben etliche Staaten Aufforstungsprogramme angekündigt. Gibt es hier Exportchancen für die deutsche Forstwirtschaft?
Ja, viele Staaten holen sich bereits Informationen und praktische Hilfe von deutschen Waldeigentümern und Förstern. Die nachhaltige Forstwirtschaft in Deutschland ist weltweit vorbildlich, und man will von uns lernen. Ich nenne das Beispiel China. Dort gibt es schon länger große Aufforstungsprogramme, doch hat man die Wälder dann nicht mehr gepflegt, so dass die Bestände wieder in sich zusammenbrechen, weil sich niemand darum kümmert. Jetzt gibt man der lokalen Bevölkerung langfristige Nutzungs- und Eigentumsrechte, um eine nachhaltige Bewirtschaftung zu sichern. Dabei helfen wir durch Beratung.

In Deutschland fallen jeden Tag weiterhin 80 Hektar Wald oder Ackerfläche der Besiedlung oder Verkehrsflächen zum Opfer. Wie sehr macht Ihnen das Sorgen?
Das ist ein großes Problem. De facto sind es sogar 160 Hektar pro Tag, weil für jede versiegelte Fläche Ausgleichsflächen benötigt werden, die dann der Waldbewirtschaftung fehlen. Das führt dazu, dass wir schon jetzt auf Holzimporte aus Ländern mit geringen Nachhaltigkeitskriterien zurückgreifen müssen, weil es in Deutschland nicht mehr genug forstwirtschaftlich genutzte Flächen gibt.

Brauchen wir in Deutschland nicht mehr natürlichen Wald?
Ganz eindeutig nein. Wir sind mit unserer nachhaltigen Forstwirtschaft schon weltweit vorbildlich. Nirgendwo werden die Funktionen Naturschutz und rücksichtsvolle Bewirtschaftung so integriert wie hier. Mehr natürlicher Wald würde nur den Druck auf andere Länder erhöhen, weil die Nachfrage nach Holz nicht nachlässt. Wir würden damit nur Umweltprobleme exportieren. Zugleich hätte das eklatante Auswirkungen auf Arbeitsplätze und die Stabilität des ländlichen Raumes.

Der Wald ist ein deutscher Mythos. Gehen die Menschen in Deutschland mit dem Wald eigentlich gut um?
Die zunehmend urban geprägte Gesellschaft entfernt sich immer mehr vom ländlichen Raum. Das spüren auch wir deutlich. Es gibt einen verklärten Blick auf den Wald. Die Realität, dass er bewirtschaftet wird und werden muss, wird ausgeblendet oder gar abgelehnt. Über 1,2 Millionen Menschen in Deutschland leben aber vom Wald. Wir freuen uns über das Interesse am Wald, aber man sollte ihn auch nicht zu Tode lieben.

Mit Philipp Franz zu Guttenberg sprach Werner Kolhoff