Die geplanten Erweiterung des Tagebaus Nochten (Landkreis Görlitz) könnte am heutigen Montag einen entscheidenden Schritt vorankommen. Der Regionale Planungsverband Oberlausitz-Niederschlesien will bei seiner Verbandsversammlung in Hoyerswerda über einen Antrag des Energiekonzerns Vattenfall abstimmen, der zusätzlich 300 Millionen Tonnen Braunkohle in Nochten abbauen will.

Wenn die Ausdehnung genehmigt wird, droht etwa 1500 Menschen in Trebendorf und Schleife die Umsiedlung. Die Ortsteile Mühlrose, Rohne und Mulkwitz würden sogar komplett verschwinden.

Der Braunkohleausschuss des Planungsverbandes hatte dem Vorhaben Anfang Juni bereits grundsätzlich zugestimmt, sagte der Leiter der Verbandsverwaltung, Peter Heinrich. Für das nötige Braunkohleplanverfahren waren zuvor rund 650 Stellungnahmen von insgesamt rund 1100 Personen erörtert und abgewogen worden.

Die Verbandsräte wollen vor ihrer Abstimmung am Montag noch zwei Gutachter hören, die in Untersuchungen zur Notwendigkeit der Tagebauerweiterung zu völlig gegensätzlichen Einschätzungen kamen.

Der vom Freistaat Sachsen beauftragte Gutachter Georg Erdmann befürwortet das Vorhaben, weiterhin Braunkohle zur Stromerzeugung abzubauen. Christian von Hirschhausen legte dagegen in einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) dar, dass Braunkohle für die angestrebte Energiewende rasch an Bedeutung verlieren werde.

Die bislang genehmigten Kohlemengen aus den Tagebauen Nochten und Reichwalde reichten noch etwa 30 Jahre für das Kraftwerk Boxberg aus. Sein Gutachten hatte die Klima Allianz Deutschland in Auftrag gegeben, die Kirchen, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen vereint.

Sollten die Verbandsräte in Hoyerswerda die Tagebauerweiterung beschließen, werde die Verwaltung den Braunkohleplan für die endgültige Abstimmung am 12. September vorbereiten, sagte Heinrich. Danach soll er zur Genehmigung an das sächsische Innenministerium weitergereicht werden.

Der Tagebau Nochten ist seit 1973 in Betrieb. Vattenfall holt dort jährlich bis zu 17 Millionen Tonnen Braunkohle für die Stromerzeugung aus der Erde. Erst im Oktober 2012 hatte der Konzern im Kraftwerk Boxberg einen neu errichteten Block mit 675 Megawatt Leistung in Betrieb genommen.

Georg Erdmann (für das Wirtschaftsministerium) und Christian von Hirschhausen (für das Umweltministerium) waren als Gutachter auch in den Streit über die die geplante Fortführung des Tagebaus Welzow-Süd in Brandenburg herangezogen worden.