Brandenburgs Einzelhändler und der Städte- und Gemeindebund unterstützen die Forderung der Brandenburger CDU, die Ladenöffnungszeiten an Sonntagen an das Berliner Niveau anzupassen. "Das braucht es insbesondere im Speckgürtel, wo ansonsten eine Wettbewerbsverzerrung stattfindet", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Berlin-Brandenburg, Günter Päts, der RUNDSCHAU. "Deswegen brauchen wir eine Angleichung mit Berlin."

In Berlin dürfen Läden derzeit an bis zu zehn Sonntagen öffnen: Acht werden zentral vom Berliner Senat festgelegt, zwei weitere können die Unternehmen frei wählen. Die einzige Einschränkung ist, dass an maximal zwei Adventssonntagen geöffnet sein darf.

In Brandenburg sind sechs verkaufsoffene Sonntage erlaubt, von denen maximal zwei innerhalb von vier Wochen liegen dürfen. Zudem dürfen Geschäfte, die touristische Artikel verkaufen, in rund 200 Kur- und Erholungsorten an bis zu 40 Sonntagen im Jahr geöffnet haben. Päts betonte, dass in den berlinfernen Regionen wie dem Landkreis Elbe-Elster, der Prignitz oder der Uckermark längst nicht alle Läden am Sonntag geöffnet seien. "Wenn wir öffnen dürfen, heißt das nicht immer auch, dass wir öffnen werden", sagte Päts. "Aber es müssen die Rahmenbedingungen dafür geschaffen sein." Eine Anpassung der Ladenöffnungszeiten in Randregionen etwa an jene in Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern lehnte Päts dagegen ab: Eine Zersplitterung sei an dieser Stelle nicht hilfreich.

Ähnlich äußert sich Wolfgang Krüger, Hauptgeschäftsführer der Cottbuser Industrie- und Handelskammer. "Es war und ist ein Anliegen der IHK Cottbus, die Angleichung der Sonntagsöffnungszeiten von Brandenburg an Berlin zu erreichen, um Wettbewerbsnachteile für brandenburgische Händler zu verhindern", sagte Krüger am Donnerstag gegenüber der RUNDSCHAU. "Zudem verändert sich das Einkaufsverhalten insbesondere bei jüngeren Menschen, die verstärkt den Online-Handel mit seinen Angeboten rund um die Uhr nutzen." Daher sollte alles unternommen werden, um den stationären Einzelhandel zu stärken und die Innenstädte in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Einer Meinung sind die Einzelhändler damit auch mit dem Hauptgeschäftsführer des Brandenburger Städte- und Gemeindebundes, Karl-Ludwig Böttcher. "Die märkischen Städte und Gemeinden brauchen faire Wettbewerbsbedingungen", sagte Böttcher. In der Hauptstadtregion müssten überall dieselben Regeln gelten. Die Städte und Gemeinden seien überzeugt, dass der stationäre Handel im Wettbewerb mit dem an Sonntagen besonders umsatzstarken Online-Handel gestärkt werden sollte, da er Beschäftigung und Wirtschaftskraft vor Ort sichere.

Grundsätzlich gegen eine Erweiterung der Öffnungszeiten ist die Dienstleistungsgewerkschaft verdi. Der Sprecher des verdi-Landesbezirks Berlin-Brandenburg, Andreas Splanemann, verwies gegenüber der RUNDSCHAU darauf, dass es vor allem große Handelsketten seien, die ein Interesse an der Ausweitung der Ladenöffnungszeiten hätten.

"Das führt zu einer Wettbewerbsverzerrung zulasten kleinerer Geschäfte", sagte Splanemann. Zudem sei auch in Brandenburg der größte Teil der Beschäftigten im Einzelhandel weiblich und arbeite Teilzeit. "Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist aber besonders schwierig, wenn nun auch noch sonntags gearbeitet werden soll." Skeptisch äußert sich auch die Evangelische Kirche: "Brandenburg gehört schon heute zu den Ländern mit den meisten Sonntagsöffnungen", sagte die Sprecherin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Heike Krohn, auf Nachfrage der RUNDSCHAU. Es sei fraglich, ob es da weitere verkaufsoffene Sonntage brauche. "Der Wechsel zwischen Ruhetagen und Arbeit ist schließlich für jeden einzelnen Menschen wichtig."