. Das letzte Mal, als es keine Kohle gab, war 1978. Damals kam der Kälteeinbruch am Ende des Jahres zu überraschend und heftig. Eine Förderung war nicht mehr möglich. Plötzlich stand alles still. "Das kann uns heute nicht mehr passieren", sagte Andreas Redlich, Leiter des Tagebaus Welzow-Süd, am gestrigen Donnerstag. Der Winter könne kommen. Die Technik in den fünf Braunkohletagebauen und drei Großkraftwerken sei auf den Betrieb bei Frost eingerichtet.

Die drei Braunkohlekraftwerke in Jänschwalde und Schwarze Pumpe (Spree-Neiße) sowie im sächsischen Boxberg wurden bereits Ende Oktober für winterfest erklärt. "Täglich fahren wir 200 000 Tonnen Kohle in die Lausitzer Kraftwerke", sagte Redlich. Damit wird eine Leistung von 6100 Megawatt erzeugt. Neben Vorräten - im Kraftwerk Nochten 300 000 Tonnen, im Kraftwerk Jänschwalde 90 000 Tonnen - hat der Konzern auch Vorbereitungen vor Ort getroffen.

Denn Kohle besteht zu 50 Prozent aus Wasser. Ist es feucht und die Temperaturen sinken unter null Grad, besteht die Gefahr, dass die Kohle an den Transport-Waggons festfriert. "Mittlerweile sind die mit Heizungen ausgerüstet", sagte Horst-Dieter Poser, Leiter des Kraftwerkes Schwarze Pumpe. Durch den natürlichen Wassergehalt bei Abraum und Kohle besteht außerdem die Gefahr, dass sich auf den Förderbändern Frostschollen bilden. In extremen Fällen können die Anlagen verstopft werden. In besonders harten Wintern waren sogar schon Sprengungen nötig, um die Bänder wieder freizubekommen.

Ein weiterer Schwerpunkt bei der Wintersicherung sind die Gleisstrecken - 300 Kilometer allein in der Lausitz. Damit die Oberleitungen nicht vereisen, sind drei E-Loks unterwegs. Die Sonderkonstruktionen tragen eine dünne Schicht Glycerin auf die Oberleitungen auf. So wird verhindert, dass sich das Eis festsetzt. Die Loks sind seit 2006 im Einsatz. Seitdem habe es keinen Frostschaden mehr gegeben.

Insgesamt sei der Bedarf an Braunkohle gestiegen, sagte Ralf Kirsch, Manager Kraftwerkseinsatz bei Vattenfall. Das Unternehmen rechnet mit einem Jahresabsatz von 60 Millionen Tonnen Braunkohle aus den südbrandenburgischen Tagebauen Jänsch walde, Cottbus-Nord und Welzow-Süd sowie aus den ostsächsischen Gruben Reichwalde und Nochten. Vor allem während der Wintermonate steigt die Nachfrage der Verbraucher nach Strom und Wärme.

Vor besonderen Herausforderungen steht der Konzern laut eigenen Aussagen auch beim Stabilhalten des Stromnetzes. Durch die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen wie Wind- oder Solarkraft - die nach Gesetz bei der Einspeisung Vorrang vor konventionellen Energieträgern haben - sind die Netze starken Schwankungen ausgesetzt.

"Sie müssen sich das Stromnetz wie einen Wasserkanal vorstellen. Irgendwann passt nichts mehr rein", erklärte Kraftwerksmanager Ralf Kirsch. Sei das in Spitzenzeiten der Fall, müssen Kraftwerke runtergefahren werden. Teilweise müsse das aber in sehr kurzen Abständen erfolgen. Vattenfall regelt das von Hamburg aus. Viertelstündlich bekommen die Kraftwerke Anweisung, wie viel Strom sie liefern müssen - egal wie das Wetter ist.
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Hintergrund: Vattenfall hat im Jahr 2011 erstmals seit 1994 bei Braunkohle wieder einen Jahresabsatz von 60 Millionen Tonnen erreicht. In den Wintermonaten bis März sollen weitere 21 Millionen Tonnen Kohle gefördert und 134 Millionen Kubikmeter Abraum bewegt werden.Video zum Thema: