Am Dienstag hatte Konzernchef Øystein Løseth in Stockholm angekündigt, dass der Konzern zum Jahreswechsel in zwei Geschäftseinheiten aufgeteilt wird. Schweden, Finnland und Dänemark werden eine Einheit bilden. Deutschland, Holland und Großbritannien die andere. Gleichzeitig kündigte Løseth an, dass für den zweiten Geschäftsbereich, also auch Deutschland, neue Anteilseigner gesucht würden.

Ist das der Anfang vom Ende des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall in Deutschland? "Man kann das in diese Entscheidung hineininterpretieren", sagt Ulrich Freese, stellvertretender Chef der Bergbaugewerkschaft IG BCE und als Arbeitnehmervertreter stellvertretender Aufsichtsratschef für die Vattenfall-Kraftwerke und -Tagebaue. Dazu gehören fünf Kohlegruben und drei Braunkohlekraftwerke in der Lausitz.

Vattenfall-Sprecher Stefan Müller versuchte am Mittwoch, Spekulationen über einen baldigen Verkauf der Braunkohlesparte zu zerstreuen. Es gebe dazu noch keine Entscheidungen. Müller räumt jedoch ein, dass die angekündigte Aufspaltung in zwei neue Geschäftsbereiche Teil- oder Gesamtverkäufe leichter macht: "Man schafft damit Handlungsspielraum."

Der Vattenfall-Sprecher versicherte erneut, dass der Abbau von 1500 Vattenfall-Jobs in Deutschland nicht den produzierenden Bereich betreffe, und dass nicht bei der Instandhaltung und Revision von Kraftwerken und Tagebauen gespart werde.

Spekulationen über einen möglichen Ausstieg Vattenfalls aus dem Lausitzer Braunkohlegeschäft sind nicht neu. Die Klimabelastung durch Kohlendioxid aus den Kohlekraftwerken stößt bei vielen Schweden auf Kritik. Im Land von Wasser- und Kernkraftwerken möchten viele vom Schmuddel-Image der Kohle in Deutschland weg.

Doch auf der anderen Seite steht rund eine Milliarde Euro Gewinn, den die Braunkohleverstromung in Ostdeutschland jedes Jahr nach Schweden überweist. Und der Verkauf von Braunkohlestrom wächst trotz Energiewende durch die Abschaltung von Kernkraftwerken. Im vorigen Jahr betrug der Zuwachs fünf Prozent.

Für die Lausitz spannend wird, wie der Strukturumbau des Energiekonzerns konkret ausgestaltet wird. Für Bergbaugewerkschafter und Aufsichtsrat Ulrich Freese ist die Richtung dabei klar: "Die klassische Struktur Kraftwerks AG und Bergbau AG muss gestärkt werden."

Auch die Verwaltungsbereiche Personal und Finanzen müssten wieder in der Region verankert werden. Derzeit ist die Vattenfall-Struktur fachorientiert über alle Länder mit Niederlassungen verteilt. Die Chefs von Mitarbeitern in der Lausitz können dadurch in Schweden oder den Niederlanden sitzen.

Freese geht davon aus, dass in den kommenden 14 Monaten bis zur schwedischen Parlamentswahl die Entscheidung fällt, wie der Staatskonzern mit seinem deutschen Eigentum umgehen will. Der politische Druck in Schweden sei sehr groß. Für Freese steht fest, dass Kraftwerke und Tagebaue nur zusammen für eine Beteiligung oder Übernahme zur Diskussion stehen sollen: "Das ist gerade auch in dieser Verbindung ein hoch profitables Unternehmen."

Dass der Verkauf eines Braunkohlekraftwerks nicht einfach ist, zeigt das Kraftwerk Lippendorf, südlich von Leipzig. Einer von zwei 1999 ans Netz gegangenen Blöcken gehört Vattenfall. Anfang März war bekannt geworden, dass die Anlage verkauft werden soll, um die Kohlendioxid-Bilanz des Konzerns zu verbessern. Außerdem kann Vattenfall den Erlös gut brauchen, um Verluste mit Gaskraftwerken in den Niederlanden auszugleichen. Das Interesse an dem Lippendorf-Block von Vattenfall scheint sich aber in Grenzen zu halten. "Es gibt dazu nichts Neues", sagt Vattenfall-Sprecher Stefan Müller auf die Frage nach dem Lippendorf-Verkauf.