Das neue Messegelände, der Ausbau des Flughafens Leipzig/Halle, aufwändig sanierte Häuser und Passagen in der Innenstadt gehören zu den unübersehbaren Erfolgen der Politik von Leipzigs früherem Oberbürgermeister Hinrich Leh-
mann-Grube. Der SPD-Politiker feiert heute seinen 70. Ge-
burtstag. Von 1990 bis 1998 war er der erste Mann jener Stadt, von der die friedliche Revolution ausging. "Es waren die arbeitsreichsten Jahre meines Lebens", erinnert er sich.
Der gelernte Jurist gehörte zu den ersten Politikern aus dem Westen, die nach der Wende in den Osten kamen. Noch als echter DDR-Bürger - er erwarb im April 1990 die DDR-Staatsbürgerschaft - kandidierte er für das Amt des Oberbürgermeisters in Leipzig. Der ehemalige Stadtdirektor von Hannover ging als Sieger aus den Kommunalwahlen in Leipzig hervor und zog mit Ehefrau Ursula von der Stadt an der Leine in die Messestadt.
"Der Tag hätte 48 Stunden haben müssen, um alles zu schaffen", erinnert er sich an die Anfänge in Leipzig. Vieles sei ihm fremd gewesen, doch in einem Punkte brauchte er niemanden zu fragen: Wie organisiert man eine Stadtverwaltung. Der stets etwas unnahbar wirkende Ostpreuße hielt wenig von politischer Show. Er galt eher als rechnender Stadtvater und Arbeitsmensch. Sein Verdienst bestand vor allem darin, Investitionen unbürokratisch und für westliche Verhältnisse atemberaubend schnell auf den Weg zu bringen. Leipzig wurde bald als "Boom-Town-Ost" gefeiert und Lehmann-Grube hatte daran einen großen Anteil.
Langweilig ist es dem Pensionär, der 1998 aus Altersgründen aus dem Amt geschieden war, auch heute nicht. Der Terminkalender des Vaters von vier erwachsenen Kindern ist immer noch gut gefüllt, doch von der "Terminknechtschaft" sei er befreit. Politik gehört nach wie vor zu seinen größten Hobbys, ebenso das Bratsche-spielen. Außerdem wandert er leidenschaftlich gern.