Inzwischen wächst der Druck auf die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Politiker der rot-grünen Regierungskoalition im Bund sowie der Opposition verlangen Aufklärung, nachdem der Behörde schon früh bekannt geworden war, dass ein V-Mann des Brandenburger Verfassungsschutzes im Februar 2001 eine Polizeirazzia an einen Neonazi verraten hatte. Dennoch hatte die Bundesanwaltschaft nach RUNDSCHAU-Informationen erst vor zwei Wochen die Potsdamer Staatsanwaltschaft informiert, die Ermittlungen wegen des Verdachts des Verrats von Dienstgeheimnissen einleitete.

Kein Anlass für Information
In Potsdamer Sicherheitskreisen heißt es, schon im Februar 2001 habe Bundesanwalt Wolfgang Siegmund von dem Verrat der geplanten Razzia erfahren. Mehrmals habe der Potsdamer Innen-Staatssekretär Eike Lancelle bei der Bundesanwaltschaft auf Ermittlungen gedrängt. Siegmund informierte jedoch erst Anfang Mai dieses Jahres die Potsdamer Staatsanwaltschaft.
Die Bundesanwaltschaft gab gestern nur eine kurze schriftliche Erklärung ab. Darin heißt es, die im Zusammenhang mit der Razzia "bekanntgewordenen Umstände enthielten keinen Sachverhalt, der zu einer Klärung unter den beteiligten Landesbehörden oder gar zur Einschaltung der zuständigen Landesstaatsanwaltschaft hätte Anlass geben müssen". Warum dieser Anlass aber vor zwei Wochen gegeben war, bleibt offen.

Wiefelspütz: Alarmzeichen
Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Wolfgang Bosbach sieht in dem Vorfall "einen sehr brisanter Vorgang, der dringend der Aufklärung bedarf". Bosbach kündigte an, der Innenausschuss des Bundestages werde sich mit dem Thema befassen. Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Dieter Wiefelspütz, sprach von einem "Alarmzeichen", sollte die Bundesanwaltschaft in die V-Mann-Affäre verwickelt sein.
Die Bundesanwaltschaft ermittelt, wie berichtet, seit Januar 2001 gegen die Brandenburger Terrorgruppe "Nationale Bewegung", die Brandanschläge und andere Straftaten begangen hat.
Die Potsdamer Polizei hoffte, bei der geplanten Razzia Hinweise auf die militanten Neonazis zu finden. Als der Verrat des V-Manns bekannt wurde, zog die Polizei die Razzia hektisch vor, fand aber keine Hinweise auf die "Nationale Bewegung". Bis heute konnten ihre Mitglieder nicht ermittelt werden. Unklar bleibt auch, warum die Straftatenserie Ende Januar 2001 abbrach.