Auf Peggy, Horst, Diego und einem Dutzend anderer Pyrenäenberghunden ruhen viele Hoffnungen. Sie sollen Schafherden vor Angriffen von Wölfen schützen. Vielerorts wird die Ankunft dieser Taskforce auf vier Pfoten sehnsüchtig erwartet.

Auf dem Hof von Schäfer Knut Kucznik in Altlandsberg (Märkisch-Oderland) müssen die etwa drei Monate alten Welpen aber erst einmal ihre Ausbildung absolvieren. "Sie lernen, dass Schafe ihre Freunde sind. Vom Instinkt her wissen sie bereits: Der Wolf ist ein Feind", sagt Schäfermeister Kucznik. Noch sind die Welpen in abgetrennten Bereichen in dem Stall. Sie tollen herum, springen auf Strohballen oder piesacken ihre Geschwister. Das helle lange Fell ist mit Halmen übersät. Zwischendurch beschnuppern die schon fast 30 Kilogramm schweren Hunde die Schafe. Die schieben sie dann lässig zu Seite.

Es ist eine Idylle. Die ungleich kräftigeren Hunde behandeln ein kleines, erst wenige Wochen altes Lamm liebevoll. Ohne Angst bewegt es sich im Stall. Die Hunde wirken zutraulich: "Aber man sollte nicht versuchen, sie zu streicheln", warnt Kucznik.

Grünes Licht aus Brüssel erwartet

"Hier geht es nicht um den Zeitvertreib für Hunde und Schafe", sagt Kucznik, auch Vorsitzender des Landesverbandes Brandenburger Schäfer und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde. "Die Hunde werden auf den künftigen Job auf der Weide vorbereitet." Und der heißt: die Herde vor Wölfen zu beschützen.

In Deutschland sind Wölfe seit Ende der 1990er-Jahre wieder heimisch. Allein in Brandenburg leben nach Angaben des Umweltministeriums in Potsdam etwa 120 Tiere: elf Rudel, einige Paare und einige Einzelgänger. Sie sind auf dem Vormarsch.

Seit 2007 sind nach Angaben des Ministeriums in Brandenburg pro Jahr zwischen 50 und 60 Schafe von Wölfen getötet worden. Für präventive Maßnahmen standen den Schäfern zwischen 2008 und 2015 knapp 600 000 Euro Fördermittel zur Verfügung, unter anderem für die Anschaffung elektrischer Zäune.

Brandenburg will den Ankauf der Schutzhunde finanziell unterstützen - sobald es dafür grünes Licht aus Brüssel gibt. Ein Tier kostet um die 4000 Euro, dazu etwa 1000 Euro im Jahr für die Unterhaltung. Es liegen schon erste Anträge vor. Im Nachbarland Sachsen-Anhalt werden die Hunde nicht gefördert. "Elektrozäune sind für uns das Mittel der Wahl", heißt es im Umweltministerium in Magdeburg. In Sachsen hingegen soll die Anschaffung der Tiere bis zu 80 Prozent gefördert werden. "Es gab bislang aber noch keinen Antrag", sagt Sprecher Frank Meyer.

Tiere müssen Prüfungen bestehen

Erst einmal müssen Kuczniks Hunde mehrere Prüfungen in unterschiedlichen Schafherden bestehen. "Sie lernen zu unterscheiden: Nähern sich harmlose Jogger und Spaziergänger oder schleicht sich ein Wolf an", erläutert der 49-Jährige. Nach anderthalb Jahren sollen sie an neue Besitzer verkauft werden.

Kucznik hält etwa 600 Fleischköpfige Fleischschafe. Ihn unterstützen drei Mitarbeiter, ein halbes Dutzend Hütehunde und einige Pyrenäenberghunde. Seine Tiere stehen derzeit auf einem abgeernteten Acker inmitten von Windkrafträdern östlich von Berlin. Dazwischen fallen die drei Pyrenäenberghunde nicht auf. Sie sind kaum farblich zu unterscheiden. Nähert sich jedoch ein Besucher dem Zaun, laufen Uschi, Dutzi oder Diego schnell auf die Fremden zu. Sie bellen und schauen. "Wölfe sind in der Regel feige. Sie hauen dann ab", sagt der erfahrene Schäfer.

Und die Belohnung für die wachsamen Vierbeiner? "Die Zuneigung der Schafe reicht den Hunden aus", meint er. Aber dann holt er doch ein Leckerli für seine "Mitarbeiter" aus der Hosentasche. Dazu spendiert er eine Streicheleinheit.