| 02:44 Uhr

USA wollen Kuba von Terror-Liste streichen

Mit Spannung erwartet: Ein möglicher Handschlag zwischen US-Präsident Barack Obama (l.) und Kubas Staatschef Raúl Castro.
Mit Spannung erwartet: Ein möglicher Handschlag zwischen US-Präsident Barack Obama (l.) und Kubas Staatschef Raúl Castro. FOTO: dpa
Panama-Stadt. Beim Amerika-Gipfel in Panama wird Geschichte geschrieben. Obama und Kubas Staatschef Castro sollen sich die Hand reichen. Angeblich wollen die USA das sozialistische Kuba auch von der Terrorliste streichen. Schon im Vorfeld des Gipfels tat sich Besonderes.

Beginn einer neuen Ära: Erstmals seit über 50 Jahren sind hochrangige Regierungsmitglieder der einstigen "Erbfeinde" USA und Kuba zusammengetroffen. US-Außenminister John Kerry und sein kubanischer Kollege Bruno Rodríguez sprachen vor dem Amerika-Gipfel in Panama-Stadt miteinander. Ein ranghoher Beamter des State Departments meinte, es habe sich um eine "längere und sehr konstruktive Diskussion" gehandelt. Man bleibe weiter im Gespräch, "um ausstehende Themen zu lösen", hieß es ohne weitere Angaben. US-Medien berichteten, das Treffen am Donnerstagabend (Ortszeit) in einem Hotel habe rund zwei Stunden gedauert. Vermutlich ging es auch um die Streichung Kubas von der Liste der Unterstützerstaaten des Terrorismus.

Ein weiterer historischer Schritt der Annäherung wurde auf dem am Freitagabend (Samstag 2 Uhr MEZ) beginnenden Gipfel erwartet: Als Symbol des Neustarts wollten US-Präsident Barack Obama und Kubas Staatschef Raúl Castro zu einem ersten direkten Gespräch zusammenkommen. Der sozialistische Karibikstaat und die kapitalistischen USA hatten im Dezember überraschend das Ende der Eiszeit verkündet. Nach Angaben des demokratischen US-Senators Ben Cardin wollen die USA Kuba von der Liste der Terrorstaaten streichen. Eine entsprechende Empfehlung habe das State Department nach monatelanger Prüfung gegeben. Dies wäre ein wichtiger Schritt für die weitere Annäherung beider Länder, meinte Cardin. Auf der US-Liste der Terror unterstützenden Staaten stehen derzeit neben Kuba der Iran, Syrien und der Sudan. In Panama wird spekuliert, dass die USA ihre Entscheidung bereits während des Gipfels verkünden könnten. Obama hatte im Vorfeld aber erklärt, noch gebe es keine Entscheidung.

Nach der Revolution in Kuba 1959 und der anschließenden Enteignung amerikanischer Unternehmen waren sich Havanna und Washington über Jahrzehnte spinnefeind. US-Geheimdienste versuchten mehrfach, den Revolutionsführer Fidel Castro zu ermorden und steckten auch hinter einem Invasionsversuch 1961.

Zudem verhängten die USA ein Wirtschafts- und Handelsembargo, mit dem sie den sozialistischen Staat aushungern wollten. Doch Revolutionsführer Fidel Castro hielt sich an der Macht, erst 2006 übergab der heute 88-Jährige die Regierungsgeschäfte an seinen Bruder Raúl (83). Fidel Castro ist schwer krank und kommt nicht nach Panama. Kuba nimmt erstmals an einem Amerika-Gipfel teil, der von der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) organisiert wird. Am gestrigen Freitagabend hieß es in Panama, Obama und Castro werden am heutigen Samstag zusammentreffen. "Wir haben zwar kein formelles Treffen zu einer bestimmten Zeit geplant, aber wir erwarten, dass sie morgen eine Diskussion haben werden", erklärte der Obama-Vertraute Ben Rhodes.

Das Tagebuch einer Reise nach Kuba und Haiti finden Sie unter www.lr-online.de/aufderinsel