Kuba und die USA haben mit konkreten Verhandlungen zur Wiederaufnahme ihrer diplomatischen Beziehungen begonnen. Hochrangige Delegationen beider Länder kamen am gestrigen Donnerstag den zweiten Tag in Folge zu Beratungen in der kubanischen Hauptstadt Havanna zusammen. Zunächst ging es darum, dass sich beide Seiten auf einen Fahrplan für die baldige Eröffnung regulärer Botschaften einigen. Die Gespräche waren am Vortag zunächst mit Migrationsgesprächen eröffnet worden.

Zwei Frauen führen die Gespräche

Die US-Delegation in Havanna wurde von der Staatssekretärin im US-Außenministerium, Roberta Jacobson, geleitet. An der Spitze der kubanischen Delegation stand die Diplomatin Josefina Vidal. Kuba und die USA hatten Mitte Dezember eine historische Wende in ihren schwer belasteten Beziehungen angekündigt. Beide Länder wollen diese nach über 50 Jahren Eiszeit bald normalisieren.

Fünf Wochen nach dieser Ankündigung setzen die USA und Kuba mit den jetzigen Verhandlungen ihren diplomatischen Neustart um. Bereits am Mittwoch, als die Delegationen erstmals in Havanna zusammengekommen waren, kam allerdings auch die alte Rivalität zum Vorschein - für die gestern begonnenen, eigentlichen Verhandlungen soll dies aber kein Hindernis darstellen.

Migrationsthemen standen bei den ersten Gesprächen auf dem Programm. In den USA lebt die größte Gemeinde der Exilkubaner. Jedes Jahr versuchen auch Tausende kubanische Flüchtlinge, per Boot an die US-Küsten zu gelangen. Obwohl sie keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, führen beide Staaten seit den 1990er-Jahren punktuelle Gesprächsrunden, um über Migrationsfragen zu diskutieren.

Hauptsache US-Territorium

Die kubanische Seite kritisierte erneut ein US-Gesetz, das seit Jahrzehnten kubanischen Flüchtlingen ein Bleiberecht in den USA gewährt, auch wenn sie illegal einreisen. Zusätzlich zum "Cuban Adjustment Act" stand eine politische Leitlinie von 1995 in der Kritik. Nach der sogenannten "Wet foot, dry foot"-Politik können kubanische Bootsflüchtlinge, die US-Territorium betreten, dort Asyl beantragen.

Diese Politik "ist nach wie vor der Hauptanreiz für illegale Auswanderung und Menschenhandel", sagte die kubanische Chefunterhändlerin Josefina Vidal. Die US-Migrationspolitik gegenüber Kuba bleibe bestehen, erwiderte allerdings US-Diplomat Alex Lee.

Beide Seiten bekräftigten trotzdem, dass die Gespräche konstruktiv verlaufen seien. Die Migrationsgespräche sollten fortgeführt werden. Sie seien ein Beweis, dass die USA und Kuba trotz Meinungsunterschieden zusammenarbeiten könnten, sagte Lee.

Wann nun die aktuellen Verhandlungen zwischen Jacobson und Vidal über die Eröffnung von Botschaften in beiden Ländern abgeschlossen werden, ist noch unklar.

Als Mitte Dezember beide Staaten die Normalisierung ihrer Beziehungen nach mehr als 50 Jahren Eiszeit verkündet hatten, wurde diese diplomatische Versöhnung weltweit als Meilenstein begrüßt.