Sechs Jahrzehnte vor dem mächtigsten Mann der Welt hatte die Afro-Amerikanerin Rosa Parks auf einem dieser dunkelgrünen Doppelsitze Platz genommen. Sie weigerte sich aufzustehen und brachte damit einen Stein ins Rollen. Es ist der 1. Dezember 1955 in Montgomery (Alabama), als die Näherin nach ihrer Arbeit heimfahren will. Sie steigt in den Bus, zahlt zehn Cent Fahrgeld und setzt sich weiter hinten hin. Die ersten Reihen sind strikt für Weiße reserviert. Bald jedoch reichen deren Sitze nicht mehr aus. Als ein Weißer einsteigt, müssen vier Schwarze eine Reihe für ihn räumen. So sind die Regeln. Drei Männer gehorchen der Aufforderung des Fahrers, nicht aber Parks. Die Polizei nimmt die damals 42-Jährige fest. Die Bürgerrechtsbewegung hat eine Heldin.

Rosa Parks wäre heute 100 Jahre alt geworden; überall in Amerika feiern Menschen ihren Geburtstag.

Parks musste nach ihrem Verstoß gegen die Segregationsgesetze zehn Dollar Strafe zahlen und vier für die Gerichtsgebühren. Mithilfe der afroamerikanischen Organisation NAACP kämpfte sie juristisch gegen das Urteil an. Zugleich starteten die Schwarzen einen Boykott des städtischen Bussystems, das deswegen drei Viertel seiner Fahrgäste und sehr viel Geld verlor. Es dauerte 382 Tage, bis die Afroamerikaner wieder die Busse bestiegen. Sie konnten sitzen, wo sie wollten. Der Oberste Gerichtshof in Washington hatte dank Parks die Rassendiskriminierung im Nahverkehr für verfassungswidrig erklärt. Das Resultat ihres passiven Widerstandes war nach dem Ende der Segregation in öffentlichen Schulen ein weiterer Meilenstein für eine Bewegung, die 1964 zum Civil Rights Act führte. Die Ungleichbehandlung der Schwarzen war fortan gänzlich verboten - verschwunden ist sie freilich bis heute nicht.

Am 24. Oktober 2005 starb Rosa Louise Parks. Als allererste Amerikanerin wurde sie im Kapitol in Washington aufgebahrt.