Nach tagelangem Schweigen zum Schulmassaker von Newtown mit 27 Toten zeigt sich die US-Waffenlobby erstmals gesprächsbereit. "Die National Rifle Association besteht aus vier Millionen Müttern und Vätern, Söhnen und Töchtern, und wir sind geschockt, traurig und todunglücklich", hieß es in einer knappen Stellungnahme am Dienstag (Ortszeit). Die Organisation wolle "sinnvolle Beiträge leisten", dass sich solche Morde nicht wiederholten. Der Verband – kurz NRA – kündigte für Freitag eine Pressekonferenz an. Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama schärfere Waffengesetze gefordert.

Die mächtige Lobbygruppe, die seit Jahrzehnten strikt das Recht der US-Bürger auf Waffenbesitz verteidigt, hatte nach dem Blutbad an der Grundschule im US-Bundesstaat Connecticut vom Freitag ungewöhnlich lange geschwiegen. Sie habe sich aus Respekt vor den Angehörigen der Toten und ihrer Trauer zuvor nicht äußern wollen, versuchte die NRA zu erklären. Jetzt meldete sie sich auch auf Twitter zu Wort, wo sie auf ihre Stellungnahme im Internet hinwies.

Unterdessen wächst in den USA die Unterstützung für eine schärfere Waffenkontrolle. Präsident Obama bekräftigte die Forderung nach einem Verbot von Sturmgewehren. Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein kündigte für Januar einen Gesetzesvorstoß für ein Verbot von Sturmgewehren an. Der Amokläufer von Newtown hatte eine solche Waffe benutzt.

Obama würde Feinsteins Gesetzesinitiative unterstützen, sagte sein Sprecher Jay Carney im Weißen Haus. Der Präsident befürworte eine striktere Überprüfung der Käufer beim Erwerb von Waffen. Nach Meinung Obamas sei es aber mit strengeren Gesetzen allein nicht getan, sagte Carney. Der Präsident, selbst Vater von zwei Töchtern, war nach dem Amoklauf nach Newtown gereist.

Am US-Aktienmarkt gerät die Waffenbranche zunehmend unter Druck. Der Finanzinvestor Cerberus erklärte, sich von dem Waffenhersteller trennen zu wollen, der das bei dem Amoklauf benutzte Sturmgewehr produziert hatte.

Unterdessen werden im Laufe dieser Woche weitere Kinder in Newtown und Umgebung beerdigt. Die Unklarheit über die Motive des 20-jährigen Täters Adam Lanza dauerte an. Er hatte am Freitag in der Schule 20 Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren sowie sechs Erwachsene erschossen. Danach tötete er nach Angaben der Polizei sich selbst. Auch die Mutter des Täters wurde umgebracht. Insgesamt gibt es also 28 Tote.

Zum Thema:
Die 1871 gegründete National Rifle Association (NRA) gilt als eine der mächtigsten Lobby-Organisationen in den USA. "Das Schießen mit Gewehren auf wissenschaftlicher Basis zu fördern", formulierte einer ihrer Gründer, William C. Church, als vorrangiges Ziel. Im Jahr 2011 hatte die nach eigenen Angaben "älteste Bürgerrechtsorganisation" in den USA knapp vier Millionen Mitglieder.