US-Präsident George W. Bush muss im Kampf ums Weiße Haus mit einem unangenehmen Gegner rechnen - einem Mann, der für Amerikaner glaubwürdig von Patriotismus spricht, der den Irak-Krieg unterstützte, nun aber scharf den Mangel eines Nachkriegs-Konzepts kritisiert. John Kerry errang bei den Vorwahlen der Demokraten Siege in fünf der sieben Staaten.
"Bush spricht gerne von Stärke, aber er hat das Land schwächer gemacht und gespalten. Wir werden es wieder stärken und einen", sagte Kerry nach den Vorwahlen siegessicher vor seinen jubelnden Anhängern. Umfragen belegen, dass Kerry beste Aussichten auch auf einen Sieg über Bush hat.

Lieberman gibt auf
Nach den Erfolgen des Vietnam-Helden und erfahrenen Politikers sind die Chancen der übrigen Bewerber deutlich gesunken. Kerry müsste schon "gravierende Fehler" machen, um sich vom Weg zur Kandidatur noch abbringen zu lassen, urteilte der Ex-Stabschef des früheren demokratischen Präsidenten Bill Clinton, John Podesta, in der "Washington Post".
Vor allem der telegene Hoffnungsträger aus dem Süden, Senator John Edwards, wird nach dem Triumph in seiner Heimat South-Carolina und guten Ergebnissen in anderen Staaten Kerry die Herausforderrolle streitig machen. Edwards, der aus einfachen Verhältnissen eines Südstaates kommt, will als "Mann des Volkes" gegen den staatsmännisch auftretenden Kerry aus begüterter Familie von der Ostküste punkten.
Hoffnung macht sich noch Ex-Nato-Oberbefehlshaber Wesley Clark, der sich als politischer Außenseiter mit Führungsqualitäten präsentiert und beispielsweise vom Filmemacher und radikalen Bush-Kritiker Michael Moore unterstützt wird. Clark gewann äußerst knapp in Oklahoma, konnte aber drei Mal zweite Plätze belegen.
Bushs Wunschgegner, der zornige Kriegsgegner und Ex-Gouverneur von Vermont, Howard Dean, wartet bei den Vorwahlen auf einen Erfolg. "Wir haben einen langen Kampf vor uns", sprach er seinen Anhängern Mut zu. Aber die Ergebnisse sind ernüchternd. Dean hatte schon in Iowa und New Hampshire gepatzt, obwohl er dort mit seinem üppigen Etat gewuchert hatte.
Enttäuscht gab Senator Joe Lieberman auf. 2000 war er noch als "Running Mate", als zweiter Mann des Präsidentschaftskandidaten Al Gore, in den Wahlkampf gezogen und hatte dann bitter die umstrittene Wahlentscheidung zu Gunsten von Bush akzeptieren müssen. Nun wollte der konservativ-liberale Intellektuelle selbst siegen. Mit den Worten "Ich respektiere das Votum der Wähler" gab er auf.

Wahlkampf wird schmutziger
Schon jetzt, zehn Monate vor der Präsidentschaftwahl, zeichnet sich ein schmutziger Wahlkampf ab. Dean, der schon nach seiner ersten Wahlpleite mit einer schrillen Rede die Öffentlichkeit irritiert hatte, tat sich dabei besonders hervor.
Erst unterstellte Dean scheinbar ironisch, Kerry habe sich bei einem kosmetischen Eingriff mit dem Nervengift Botox die Gesichtshaut glätten lassen - obwohl Kerry dies dementiert hatte. Dann beschuldigte Dean Kerry, mehr als jeder andere Senator Geld von den großen Interessenverbänden genommen zu haben - dabei wirbt Kerry vor allem mit seinem Plädoyer gegen die Interessen des "Big Business" und gegen die Bush-Politik "für die Privilegierten".
Die demokratischen Wahlkampf-Strategen erwarten die Konfrontation zwischen dem Vietnam-Kämpfer Kerry und dem Kriegsherrn Bush - und unterstellen dem Republikaner während der Vietnam-Kriegsjahre ein "Deserteur" gewesen zu sein. Bush soll als Pilot in der Nationalgarde ein Jahr aus unerfindlichen Gründen abwesend gewesen sein - was das Weiße Haus umgehend dementierte. Aber die Parole ist da: Kriegsheld gegen Deserteur.
Wenn Kerry die Nominierung gewinnt und Bush bei den Wahlen im November schlägt, zieht eine schillernde Persönlichkeit ins Weiße Haus ein. Nicht John Kerry selbst ist gemeint, sondern seine Frau, die millionenschwere Ketchup-Erbin Teresa Heinz Kerry. Der Unterschied zu Laura Bush, die ihren Mann meist nur mit bewundernden Blicken zur Seite steht, könnte kaum größer sein.

Schillernde Kandidaten-Gattin
Die 65-Jährige, in Chanel-Hosenanzug und mit Stöckelschuhen stets zeitlos elegant, nimmt selten ein Blatt vor den Mund. "Eine lose Kanonenkugel" fürchten manche im Wahlkampfteam ihres Mannes, denen die Offenheit der Politikergattin schon so manche Schweißperle auf die Stirn getrieben hat. Teresa Heinz sei zu unverblümt, spontan und eigensinnig, warnen Kritiker. Teresa Heinz lässt das kalt. "Wenn eine Frau ihre Meinung sagt, gilt sie als eigensinnig, ein Mann dagegen als klug. Wenn ich keine Meinung hätte, wäre ich ein Schwachkopf."
Ob sie denn nun den Namen Heinz oder Kerry trage, wurde sie in einem Interview gefragt. "Wissen Sie, das ist mir sch.....egal", antwortete die ausgebildete Dolmetscherin im Interview mit der Zeitschrift "Elle". Sie redet offen über Botox-Anwendungen, mit denen sie ihre Falten glättet, und auch Gesichtslifting ist kein Tabu: "Wenn ich es brauche, mach' ich es", sagt die Politikergattin, die gut zehn Jahre jünger aussieht, geradeheraus.