Wenn Saddam Hussein heute die von den UN geforderte Waffenliste vorlegt, muss er eines wissen: Das US-Militär ist einsatzbereit. Seit Wochen, ja Monaten schon laufen die amerikanischen Vorbereitungen auf einen möglichen Krieg und jetzt, so heißt es auf höherer US-Kommandoebene, ist man so weit, dass man binnen kurzer Zeit zuschlagen könnte - wenn denn der Befehl dazu aus dem Weißen Haus kommt. Als realistisch gilt eine noch nötige Anlaufzeit von "ganz wenigen Wochen", wie es ein General formulierte. Die genaue Dauer hänge davon ab, wie viele Bodentruppen gleich zu Beginn eingesetzt werden sollten.
"Wir sind buchstäblich in der Lage, von einem Moment zum anderen loszulegen", zitiert die "USA Today" Oberst David Perkins, Kommandeur der 2. Brigade der 3. US-Panzerdivision. Sie ist in Kuwait stationiert und könnte in einem Irak-Krieg eine wichtige Rolle spielen. "Wir könnten jederzeit mit Kampfoperationen beginnen und sind in der Lage, jede Aktion durchzuführen, die der Präsident wünscht", sagt auch Admiral John Kelly, Oberbefehlshaber des im Persischen Golf liegenden Flottenverbands mit dem Flugzeugträger "Abraham Lincoln".
In dem sicheren Wissen, dass die Vorbereitungen "stehen", hat die US-Regierung auch inzwischen ihre Rhetorik in Richtung Irak noch einmal verschärft. Nachdem Präsident George W. Bush und sein Vize Richard Cheney klar gemacht hatten, dass sie weiterhin nur Lügen von Saddam Hussein erwarten, sattelte Pentagon-Chef Donald Rumsfeld noch drauf und gab neben dem Irak auch den Vereinten Nationen in deutlich warnendem Ton zu verstehen, dass die USA im Fall neuer irakischer Täuschungen nicht mehr lange fackeln würden.

Bessere technische Mittel
Beim Golfkrieg 1991 hatten Washingtons Vorbereitungen über fünf Monate gedauert. Im jetzigen Fall ging und geht alles viel schneller, unter anderem deshalb, weil sich die technischen Transportmöglichkeiten verbessert haben und weil es weitaus mehr geheimdienstliche Informationen über den Irak gibt. Praktisch seit mehr als einem Jahrzehnt konnte man sich mit den Gegebenheiten im Land vertraut machen - auch wenn immer noch vieles im Dunkeln liegt.
Und da ein Kriegsszenario Irak in all der Zeit stets als reelle Möglichkeit galt, wurden die Truppen daheim auch gezielt trainiert - etwa für den Kampf in Wüstengebieten und für den Straßenkampf, der in Bagdad drohen könnte. Außerdem wurden sie speziell auf den Fall vorbereitet, dass der Irak chemische oder biologische Waffen einsetzt. "Unsere Truppen sind nicht nur militärisch, sondern auch psychisch in exzellenter Verfassung", sagt US-Generalstabschef Richard Myers.
Wie es heißt, sieht die von Präsident Bush gebilligte Kriegsstrategie den Einsatz von bis zu 250 000 Soldaten vor. Fast alle von ihnen sind noch in der Heimat stationiert oder in Europa. Aber ein Aufmarsch könnte innerhalb weniger Wochen abgeschlossen sein. Neben Perkins‘ 3000 Soldaten mit ihren Panzern und Haubitzen halten sich in der Region bereits tausende weitere US-Militärangehörige auf. So sind 6600 in Saudi-Arabien stationiert, 4200 in Bahrein, 3800 in der Türkei, rund 12 000 in Kuwait, 3300 in Katar und 2000 im Oman. Hinzu kommt die fast 6000-köpfige Besatzung des Flugzeugträgers "Abraham Lincoln" und seiner Begleitschiffe. Im Mittelmeer liegt ein weiterer Flugzeugträger-Verband mit noch einmal 6200 Soldaten in Bereitschaft.

Vom Thunfisch bis zu Panzern
Seit Wochen schon treffen in der Golfregion große Containerschiffe mit Ausrüstung ein - von Tunfisch-Büchsen bis hin zu Panzern. Auf Hochtouren wird an einer neuen Kommandozentrale in Katar gebaut. Sie steht inzwischen kurz vor der Vollendung und in der kommenden Woche wird sich vor Ort General Tommy Franks von den Fortschritten überzeugen. Der Chef des US-Zentralkommandos würde die amerikanischen Truppen in einem Irak-Krieg befehligen. Im Irak selbst bombardieren amerikanische und britische Jets schon seit Monaten in den Flugverbotszonen für die irakische Flugabwehr wichtige Kommando- und Kommunikationseinrichtungen.