Die Arabische Liga habe das Votum mit "tiefem Bedauern und großer Wut" aufgenommen, sagte Generalsekretär Amr Mussa zum Auftakt einer Dringlichkeitssitzung gestern in Kairo. Das Veto sei "unverständlich", der Friedensprozess damit "vollkommen am Ende".
Der von Katar vorgelegte Resolutionsentwurf im Sicherheitsrat sollte die israelischen Angriffe vom Mittwoch verurteilen, bei dem 19 Palästinenser in ihren Häusern getötet wurden. Die Entschließung forderte zudem den Rückzug aus dem Gazastreifen. Zehn Ratsmitglieder stimmten zu, Dänemark, Großbritannien, Japan und die Slowakei enthielten sich, die USA lehnten ab. Nach den Worten von Außenministerin Condoleezza Rice empfand Washington den Entwurf als zu unausgewogen und wenig förderlich für den Frieden. Der französische UN-Botschafter Jean-Marc de La Sablière nannte den Entwurf hingegen "ausgewogen". Die Resolution hätte die "richtige Botschaft an beide Seiten gesandt".
Mussa erklärte, Israel werde das US-Votum als "Vorwand benutzen", um seine Aktionen gegen die Palästinenser fortzusetzen. Auch ein Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas äußerte die Befürchtung, das Veto könnte Israel zur Fortsetzung der Gewalteskalation ermutigen.
Israel zeigte sich zufrieden mit dem Abstimmungsergebnis. Ministerpräsident Ehud Olmert wollte heute in Washington mit US-Präsident George W. Bush zusammenkommen, um über den Nahost-Konflikt und die Atomkrise mit dem Iran zu beraten. Olmert erklärte, dass der Sieg der Demokraten nicht zu einer veränderten Haltung der USA gegenüber Israel führen werde. Die Unterstützung für Israel gelte über Parteigrenzen hinweg.
Unterdessen einigten sich die radikalislamische Hamas und die Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Abbas auf einen Regierungschef für die angestrebte Regierung der nationalen Einheit. Der frühere Präsident der islamischen Universität von Gaza, Mohammad el Schbeir, solle das Amt übernehmen, teilten Verantwortliche der Hamas und Vertreter aus dem Umfeld von Abbas gestern Abend mit.