Im Grunde ist es eine Geisterdebatte. In der Tabelle westlicher Länder, die Syrern Zuflucht gewähren, liegen die USA auf einem der hintersten Plätze. Nur rund 1900 Flüchtlinge haben sie seit Beginn des Bürgerkriegs aufgenommen. Und doch überbieten sich einige der prominentesten Konservativen nach den Pariser Anschlägen förmlich darin, einen noch härteren Kurs einzuklagen.

Nur Bushs Worte wiederholt

Marco Rubio, ziemlich aussichtsreich im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, würde die Tür am liebsten ganz schließen. Amerika, sagt er, solle vertriebenen Syrern vielmehr helfen, im Nahen Osten eine neue Heimat zu finden. Selbst wenn sich unter Zehntausend Menschen, die man ins Land lasse, nur ein einziger Kämpfer des "Islamischen Staats" befinde, sei das Risiko schon zu hoch.

Und als die Demokratin Hillary Clinton während einer Kandidatendebatte unterstrich, dass man sich zwar im Krieg mit den Dschihadisten befinde, nicht aber im Krieg mit dem Islam, legte der Senator aus Florida postwendend Einspruch ein, obwohl Clinton eigentlich nur wiederholte, was schon George W. Bush im Terrorschock nach dem 11. September 2001 betont hatte.

"Das ist ja, als würde man sagen, wir waren nicht im Krieg mit den Nazis, weil wir fürchteten, einige Deutsche vor den Kopf zu stoßen, die zwar vielleicht Mitglieder der Nazi-Partei, aber nicht gewalttätig waren", polterte Rubio in einer Talkshow.

Ted Cruz, sein Senatskollege aus Texas, beliebt unter Tea-Party-Rebellen, will keine Muslime aus Syrien mehr ins Land lassen, nur noch verfolgte Christen. Jeb Bush würde es zwar nicht ganz so strikt handhaben, meint aber auch, dass nahöstlichen Christen Vorrang gebühre. Aus Austin schrieb der texanische Gouverneur Greg Abbott ans Weiße Haus, sein Bundesstaat werde aufgrund akuter Sicherheitsbedenken keinen einzigen Syrer mehr akzeptieren.

Abbotts Beispiel machte schnell Schule: 20 Amtskollegen, von Florida im Süden bis nach Michigan im Norden, mit einer Ausnahme alles Republikaner, haben mittlerweile angekündigt, den Zuzug von Asylsuchenden aus Damaskus, Hama oder Aleppo blockieren zu wollen. Wobei sie nach Ansicht des Harvard- Verfassungsrechtlers Laurence Tribe ihre Kompetenzen überschreiten, ist es doch allein die Bundesregierung in Washington, die über die Verteilung entscheidet.

Bisherige Praxis bleibt

Die Hysterie im republikanischen Lager wirkt umso bizarrer, weil die Vereinigten Staaten auch unter dem Präsidenten Barack Obama seit dem Sommer in keiner Weise erkennen lassen, dass sie gewillt sind, in einer Ausnahmesituation flexibler zu handeln. Bittet ein Antragsteller aus Syrien um Asyl, in aller Regel vermittelt durch das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen, muss er sich nach Erfahrungswerten 18 bis 24 Monate gedulden, ehe er einen Bescheid bekommt. Die Mühlen mahlen so langsam, dass der Brite David Miliband, Chef des International Rescue Committee (IRC), einer in New York angesiedelten Hilfsorganisation für Flüchtlinge und Kriegsopfer, das bürokratische Procedere mit bissiger Ironie kommentiert. Es gebe viele Wege, um nach Amerika zu kommen, aber das Flüchtlingsprogramm sei der schwierigste, "es sei denn, man wollte durch den Atlantik schwimmen". Im texanischen Houston etwa, eigentlich ein Magnet für arabische Migranten, fanden gerade mal drei Familien aus Syrien eine neue Heimat.

Zwar hat Obama die Quote für Zuzügler aus dem Bürgerkriegsland für 2016 auf 10 000 angehoben, doch bleibt es bei der bisherigen Praxis, lässt sich schon jetzt absehen, dass die tatsächlichen Zahlen weit darunter bleiben.

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