Die alte Arbeitsparteiführung hat den erst vor einem halben Jahr zu ihrem Vorsitzenden gewählten Ex-General und ehemaligen Stadtpräsidenten/Oberbürgermeister von Haifa, Amram Mitzna, aus seinem Amt gemobbt. Im August 2002 hatte er sich überraschend als Retter der durch ihre überlange Regierungsbeteiligung unglaubwürdig gewordenen und entsprechend angeschlagenen Arbeitspartei präsentiert und im November die Vorsitzen-
den-Wahl gewonnen. Nach der schweren Wahlniederlage im Januar und nachdem er im Wahlkampf versprochen hatte, unter keinen Umständen einer Regierung Scharon beizutreten, musste er nun - gar nicht überraschend - eingestehen, dass er sich angesichts der internen Machtkämpfe außer Stande sehe, die Partei auch nur zu führen, geschweige denn zu restaurieren.
Durch den nun ausbrechenden Nachfolgekampf diskreditiere sich die auch finanziell bankrotte Partei in den Augen der Wähler weiter und biete kaum mehr eine Alternative zu Scharons Politik.

"Aufpasser" für Arafat
Scharon wiederum sieht dies mit gut versteckter Freude, ermöglicht ihm doch die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr der Arbeitspartei, seine nationalistischen Koalitionspartner - Nationale Union und Nationalreligiöse - zu disziplinieren.
Noch bevor Mitznas Rücktritt offiziell wurde, rügte Scharon bei der Regierungssitzung Touristikminister Benny Elon von der Nationalen Union: Dieser habe allein schon mit seinem - von Scharon unterbundenen Versuch in den USA gegen den Friedensplan für Nahost Stimmung zu machen, Israel "schweren politischen Schaden zugefügt".
Das gegenteilige Ziel Elons verfolgt der amerikanische Unterstaatssekretär William Burns, der in Jerusalem und Ramallah den Besuch von US-Außenminister Colin Powell vorbereitet, welcher wiederum die Umsetzung des Friedensplanes ankurbeln will. Burns traf sich nicht mit Palästinenserpräsident Arafat, doch entsandte dieser zwei "Aufpasser" - Außenminister Nabil Sha'at und Verhandlungsminister Sa'eb Erakat - zum Treffen Burns mit dem neuen Ministerpräsidenten Mahmuds Abbas, Abu Mahsen. Nach Abschluss seiner Gespräche - zuvor hatte er sich noch mit dem Parlamentsvorsitzenden Abu Ala getroffen - verkündete Burns die Hoffnung von Präsident Bush, dass beide Konfliktseiten jetzt - nach der Veröffentlichung des Nahost-Friedensplanes und noch vor dessen Umsetzung - einige wesentliche Schritte zur Vertrauensbildung unternehmen. An die palästinensische Adresse gewandt, betonte er, es gebe "keine Alternative zur Terrorbekämpfung". Abbas hatte am Sonntag in einem Interview erklärt, er strebe in Verhandlungen mit der militanten Opposition eine Feuerpause mindestens bis Jahresende an, doch Powell ließ ihn daraufhin wissen, dass die USA sich nicht mit einem Waffenstillstand begnügen, sondern auf der Zerschlagung der gesamten terroristischen Strukturen beharren. Burns forderte Israel auf, die Lebensbedingungen der Palästinenser zu erleichtern, das Leiden der Zivilbevölkerung zu mildern, aber auch sämtliche Siedlungsaktivitäten einzustellen.

Abbas gegen Arafat
Über die hinter den Kulissen tobenden Machtkämpfe in der palästinensischen Führung, veröffentlichte die israelische Zeitung "Yedioth Ahronoth" eine sensationelle Meldung: Mahmud Abbas habe in den letzten Tagen auf verschiedenen Kanälen der amerikanischen Regierung die Bitte zukommen lassen, für ein Verschwinden Arafats aus den palästinensischen Gebieten zu sorgen. Die USA, so Abbas Anliegen, sollten Israel unter Druck setzen, damit dieser Arafat ins Ausland fliegen lasse: Während Arafat in der Welt herumfliege, störe er nicht die neue Regierung bei ihrer Arbeit. Unter Arafats Aufsicht falle es ihm schwer zu regieren, ließ Abbas Washington wissen. Tatsächlich hatte zum Beispiel vor Burns Ankunft Arafat die Verhandlungsdelegation zu sich gerufen um ihr - in Abwesenheit Abu Mahsens - Weisungen für die anstehenden Gespräche zu erteilen.
Die USA hätten, so die Zeitung, Abbas' Anliegen abgelehnt in der Annahme, dass Scharon selbst jeden diesbezüglichen Druck zurückweisen werde.