Die Marineinfanteristen hätten im westirakischen Hadhita 15 unbewaffnete Iraker, darunter sieben Frauen und drei Kinder, umgebracht, nachdem ihr Transportfahrzeug von einer Bombe getroffen und ein Soldat getötet worden war, berichtete "Time" gestern. Die US-Armee untersuche zurzeit den Vorfall.

Schlimmster Vorfall
Das Magazin "Time" berief sich in seinem Bericht auf Interviews mit Augenzeugen und örtlichen Beamten. Sie widersprachen einer Darstellung der US-Marineinfanterie, wonach der US-Obergefreite Miguel Terrazas sowie 15 irakische Zivilisten am 19. November bei einem Schusswechsel zwischen Soldaten und bewaffneten Angreifern ums Leben gekommen waren. Sollten die Vorwürfe zutreffen, so wäre dies laut Menschenrechtlern der schlimmste Fall absichtlicher Tötung von irakischen Zivilisten durch US-Soldaten seit dem Einmarsch in den Irak.
Drei Jahre nach dem US-geführten Angriff auf den Irak unter Präsident Saddam Hussein hat das Land immer noch keine endgültige Regierung. Die Verhandlungen über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit mit Vertretern aller Religions- und ethnischen Gruppen seien für eine Woche ausgesetzt worden, sagte der kurdische Verhandlungsteilnehmer Mahmud Osman.
Als Grund für die einwöchige Pause nannte Osman die Feiern zum kurdischen Neujahrfest Newros sowie das Ende der von den Schiiten begangenen 40-tägigen Trauerzeit in Erinnerung an den Märtyrertod von Imam Hussein im Jahr 680. Aus Furcht vor Anschlägen herrschten in der schiitischen Pilgerstadt Kerbela strengste Sicherheitsvorkehrungen, in der hunderttausende Schiiten das Ende der Aschura begingen.
US-Präsident George W. Bush appellierte an alle irakischen Politiker, die Regierungsbildung voranzutreiben. Er finde den demokratischen Prozess nach den Wahlen im Irak Mitte Dezember "ermutigend", sagte Bush in Washington. Bei Anschlägen und Angriffen starben gestern unterdessen mindestens 13 Menschen. Allein in Bagdad kamen bei einem Bombenanschlag auf einen Polizeikonvoi sechs Menschen ums Leben.

Bänder für deutsche Geiseln
Von den im Irak verschleppten deutschen Geiseln gibt es seit knapp fünf Wochen kein neues Lebenszeichen. Als Symbol der Solidarität mit René Bräunlich (32) und Thomas Nitzschke (28) fahren Busse und Bahnen in Leipzig seit gestern mit einem grünen Band. Es soll die Hoffnung auf eine baldige Freiheit der verschleppten Leipziger ausdrücken. Die Verkehrsbetriebe (LVB) beteiligen sich damit an einer Aktion der Leipziger Nikolaikirche.
Vor dem Gotteshaus fand gestern nach dem traditionellen Friedensgebet die 15. Mahnwache für die Techniker der Firma Cryotec mit Sitz im sächsischen Bennewitz statt.
(AFP/dpa/uf)