Der General verwies auf die Grenzen der Leistungsfähigkeit der US-Armee. Ein Bericht des US-Rechnungshofes zeichnete ein negatives Bild der Lage im Irak und bescheinigte der irakischen Regierung schwere Versäumnisse. Die US-Demokraten werteten den Bericht als Beweis für ein Scheitern der Strategie einer vorübergehenden Truppenaufstockung.

“Es gibt Grenzen für das, was unsere Armee leisten kann“, sagte Petraeus in dem ABC-Interview. Diese Tatsache werde er in seinen Empfehlungen berücksichtigen. Auf die Frage, ob ein Truppenabzug im März beginnen könnte, sagte der Kommandeur: „Ihre Berechnungen sind in etwa richtig.“ Petraeus soll am 10. und 12. September zusammen mit US-Botschafter Ryan Crocker einen Lagebericht zum Irak im Kongress vorstellen.

US-Präsident Bush hatte am Montag bei einem Besuch im Irak die Erfolge bei der Eingliederung einstiger sunnitischer Rebellen in der Provinz El Anbar hervorgehoben. Er hatte angedeutet, bei einer derartig verbesserten Sicherheitslage könne der Irak-Einsatz auch mit deutlich weniger Soldaten aufrechterhalten werden.

Der US-Rechnungshof bestätigte Bushs Darstellung einer verbesserten Sicherheitslage nicht. Mit Blick auf die irakische Hauptstadt sagte Behördenchef David Walker: „Zwar wurde der Bagdad-Sicherheitsplan eingeführt, um die religiöse Gewalt zu verringern, doch bleibt unklar, ob die Gewalt tatsächlich abnahm.“

Die Behörde stellte tief greifende Versäumnisse der Regierung von Nuri el Maliki fest. Wichtige Gesetze seien nicht verabschiedet worden. Das Gewaltniveau bleibe hoch. Zudem sei unklar, ob die irakische Regierung wie zugesagt zehn Milliarden Dollar für den Wiederaufbau bereitstellen werde.

Den Experten zufolge wurden die meisten der vom US-Kongress gesteckten Ziele für die Entwicklung im Irak verfehlt. Von den 18 vom Kongress formulierten Vorgaben seien elf nicht erreicht worden, bemängelt das Government Accountability Office (GAO), das dem deutschen Rechnungshof ähnelt. Drei Ziele seine erreicht worden, vier weitere nur zum Teil.

Das Weiße Haus wies den Bericht zurück. Vor einer Entscheidung über den künftigen Kurs würden zunächst die Lageberichte von Petraeus und Crocker abgewartet, sagte ein Präsidentensprecher. Der US-Kongress hatte das GAO vor mehreren Monaten beauftragt, eine unabhängige Untersuchung der Entwicklung im Irak vorzulegen. Auch Bush muss bis zum 15. September einen Lagebericht zum Irak vorlegen.

Politiker der US-Demokraten werteten den Bericht als Beleg dafür, dass die von Bush zum Jahreswechsel verkündete Strategie einer Truppenaufstockung gescheitert sei. „Diese unabhängige Untersuchung ist ein vernichtendes Zeugnis für eine Politik, die einfach nicht funktioniert“, sagte Senator John Kerry. Der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid, sagte, es sei höchste Zeit für eine neue Strategie.

Bei einem Besuch in Australien versprach Bush den Irakern, treu an ihrer Seite zu bleiben. Es sei „noch viel zu tun“, sagte Bush. „Aber die Versöhnung nimmt Gestalt an.“ Es sei wichtig für die Sicherheit der USA und Australiens, im Irak zu bleiben und den Irakern zu helfen. Australiens Premierminister John Howard versicherte, sein Land werde in unveränderter Truppenstärke im Irak bleiben. Ein Abzug der 1500 Soldaten hänge „von keinem Zeitplan“ ab, sondern „von den Bedingungen“ vor Ort.