„Ich erkläre den Botschafter der Vereinigten Staaten zur Persona non grata“, sagte Morales gestern im bolivianischen Fernsehen. Er warf dem US-Diplomaten vor, die Opposition zu unterstützen und die Spaltung Boliviens zu betreiben. Er habe Außenminister David Choquehuanca beauftragt, dem Botschafter mitzuteilen, dass er das Land verlassen solle, sagte Morales.
Von der US-Regierung wurden die Anschuldigungen gegen den Botschafter als „haltlos“ zurückgewiesen. Man habe bisher jedoch nur aus den Medien über den Entschluss des bolivianischen Präsidenten erfahren, sagte US-Außenamtssprecher Gordon Duguid in Washington. Eine offizielle Mitteilung über diplomatische Kanäle sei noch nicht erfolgt.
Unterdessen verschärfte sich in Bolivien der Konflikt zwischen dem linksgerichteten Präsidenten und den von der Opposition dominierten Regionen des Landes in den vergangenen Tagen weiter. Bei Zusammenstößen kamen vier Menschen ums Leben. Mindestens 20 weitere wurden verletzt. Anhänger der Autonomiebewegung in der Stadt Santa Cruz 900 Kilometer östlich vom Regierungssitz La Paz vertrieben Polizisten und Soldaten, die die regionale Steuerbehörde bewachen sollten. Polizisten seien von der aufgebrachten Menge verprügelt worden, berichteten nationale Medien. Ähnliche Entwicklungen wurden auch aus den Regionen Tarija, Beni und Pando gemeldet, die ebenfalls von der Opposition dominiert werden.
In Santa Cruz nutzte der Mob die Vertreibung der Polizei dazu, auch die Büros der staatlichen Telefongesellschaft Entel und des Fernsehsenders Televisión Boliviana zu plündern. Die örtlichen Handy- und Internet-Netze brachen zusammen. Die Stadt war von außen nur noch schwer zu erreichen. Der Kommandant der 8. Heeresdivisi on, General Marco Bracamonte, warnte, künftig würden die Soldaten bei Angriffen ihre Waffen einsetzen.
Anhänger der Opposition unterbrachen zudem Erdgaspipelines in den Westen des Landes und in die Nachbarländer Brasilien und Argentinien. Demonstranten entwaffneten die Sicherheitskräfte in Pumpstationen und drehten die Gashähne zu. Eine Pipeline nach Brasilien wurde zudem komplett zerstört.
Kabinettschef Alfredo Rada bezeichnete die Ereignisse als „Beginn eines zivilen Staatsstreichs, der gegen die Demokratie“ gerichtet sei. Anhänger von Morales forderten unterdessen bei einer Demonstration in La Paz ein härteres Durchgreifen des Staates gegen gewaltbereite Gruppen in den von der Opposition dominierten Regionen. (dpa/ab)