Ohne den in Lateinamerika weit verbreiteten Personenkult hat die Linke sich in Uruguay an der Macht fest eingerichtet. Mit dem Sieg des Sozialisten Tabaré Vázquez bei der Stichwahl am Sonntag gewann die Koalition Frente Amplio zum dritten Mal in Folge die Präsidentschaft. Das Bündnis aus Sozialisten, Kommunisten, Sozialdemokraten und ehemaligen Tupamaro-Rebellen hat die 175 Jahre währende absolute Dominanz der beiden konservativen Parteien Partido Nacional und Partido Colorado gebrochen.

Der politisch gemäßigte 74-jährige Arzt Vázquez tritt die Nachfolge des ehemaligen Guerrilleros José "Pepe" Mujica an, der einem radikaleren Flügel der Linkskoalition angehört. Vázquez selbst war Mujicas Vorgänger 2005-2010. Beide Staatschefs sind bei den Uruguayern beliebt - Vázquez als effizienter Verwalter, Mujica als bescheidener Politiker, der aber kein Blatt vom Mund nimmt.
Doch die beiden liegen nicht immer auf einer Linie. Mujica sorgte weltweit für Furore, als er die Freigabe des staatlich kontrollierten Anbaus und Verkaufs von Marihuana durchsetzte. Das Gesetz soll erst im März 2015 in Kraft treten - es sollte aus dem Wahlkampf herausgehalten werden. Vázquez hat bereits angekündigt, dass er das Gesetz revidieren werde, wenn es nicht zum angestrebten Rückgang der Drogenkriminalität führe.

Ein anderes kontroverses Thema, das Vázquez von Mujica übernimmt, ist die Gewinnung von Eisenerz im Tagebau. Das indische Unternehmen Zamin Ferrous will dafür umgerechnet 2,2 Milliarden Euro investieren. Doch das Projekt stößt wegen möglicher Umweltschäden auf Widerstand der Opposition, von Umweltorganisationen und Landwirten.

Erneut auf Mujica setzen konnte die Linke nicht: Die uruguayische Verfassung verbietet zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten. Das Linksbündnis tariert seine Flügel daher über die Vizepräsidentschaft aus. Mujica regierte mit dem gemäßigten Volkswirt Danilo Astori als Stellvertreter. Vázquez macht Astori - wie bei seiner ersten Amtszeit - zum Wirtschaftsminister. Neuer Vizepräsident wird Raúl Sendic. Der Sohn des gleichnamigen Mitgründers der Guerillatruppe Tupamaro soll Brücken zum linken Flügel schlagen.

Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, Wohnungsbau, Innovation, Umweltschutz und die Schaffung menschenwürdiger Arbeitsplätze: Vázquez hat sich viel vorgenommen. Bereits am 1. März 2015 will er dem Parlament ein Gesetz zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur vorlegen. Das marode Landstraßennetz belastet die Landwirtschaft, die eine Säule der Wirtschaft Uruguays ist.
Obwohl die Wirtschaft der beiden großen Nachbarn Brasilien und Argentinien stagniert, hat Uruguay im zweiten Quartal 2014 ein Wachstum von 3,7 Prozent im Jahresvergleich erreicht. Viel dazu beigetragen hat die Modernisierung der Viehzucht und des Soja-Anbaus, zum Teil mit argentinischen und brasilianischen Investoren.