So entspannt war der deutsche Außenminister Joschka Fischer lange nicht zu sehen. Im karierten Freizeithemd, locker über der Hose getragen, stand er lässig im malerischen Hafen der griechischen Insel Kastellorizo, blätterte durch ein paar Zeitungsartikel und ließ sich bereitwillig von Journalisten befragen. Wie seine Kollegen aus den anderen 14 EU- und den zehn Beitrittsländern gab auch er sich ganz der Urlaubsstimmung hin.

Erstes Treffen nach langem Streit
Monatelang hatte die EU über den Irak-Krieg gestritten, hatten die Minister selbst minimale Formelkompromisse nur nach quälenden Debatten formulieren können. Jetzt saß man auch noch zum ersten Mal mit den Kollegen aus jenen Ländern zusammen, die zwar erst nächstes Jahr in die EU kommen, aber seit Unterzeichnung der Beitrittsverträge Mitte März schon überall ohne Stimmrecht beteiligt werden. Und die meisten von ihnen haben sich in der Irak-Frage auf die Seite Washingtons und Großbritanniens gestellt und damit heftigen Zorn in Frankreich und Verärgerung in Deutschland ausgelöst.
Fischer selbst gestand ein, dass er mit Skepsis zur informellen Sitzung auf Rhodos und Kastellorizo gefahren sei. Und geschickt hatten US-Regierungskreise genau zum Zeitpunkt dieses Treffens die Berichte über neue Pläne zur Aufteilung des Iraks durchsickern lassen, an der sich die EU-Staaten unterschiedlich beteiligen werden - Deutschland und Frankreich gar nicht. Fischer tat dies ab, es gehe lediglich um die Abwicklung einer Situation, die aus den bekannten Kontroversen entstanden sei.
Die EU-Minister ließen sich durch die offensichtlich gezielt verbreiteten Informationen aus Washington nicht die Urlaubslaune verderben. Den Blick zurück im Zorn verstellten die griechischen Veranstalter durch Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft. Am ersten Abend gab es ein nettes Essen auf der alten Johanniter-Burg von Rhodos. Über Nacht ging es dann mit der riesigen Luxus-Yacht der steinreichen Reederfamilie Latsis nach Kastellorizo, dem östlichsten Punkt der EU.

Eine Seemeile von der Türkei entfernt
Diese felsige Insel hatten die griechischen Gastgeber mit Bedacht ausgewählt: eine Geste an die hier nur eine Seemeile entfernte, um ihren EU-Beitritt ringende Türkei. Nahmen die Minister aus den zehn Beitrittsländern des kommenden Jahres schon an dem gesamten Treffen teil, kamen hier auch jene drei hinzu, die auf die Aufnahme in die EU noch warten müssen: Bulgarien, Rumänien und eben die Türkei.
Deren Außenminister Abdullah Gül war so erfreut, dass er seine Kollegen für den Nachmittag gleich aufs türkische Festland einlud. So fiel die ministerielle Reisegruppe bei strahlender Sonne und blauem Himmel auch noch in das Städtchen Kas ein und spazierte an staunenden Menschen vorbei durch die Straßen. Allerdings nahmen sich nicht alle die Zeit dafür. Auch Fischer trat schon vorher die Rückreise in die Heimat an, wo statt der Freizeithemden wieder der dunkle Dreiteiler gefragt ist.