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| 15:31 Uhr

Unvorstellbares Grauen bei Kämpfen in Liberia

Die Lage in der liberianischen Hauptstadt wird immer verzweifelter. Bei erbitterten Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen in Monrovia starben in den letzten fünf Tagen mindestens 700 Menschen. Immer mehr Liberianer fordern eine Intervention der USA, um den Konflikt zu lösen. US-Präsident George W. Bush lehnt eine Entsendung amerikanischer Friedenstruppen nach Liberia allerdings bisher ab. UN-Hilfstruppen sind über das humanitäre Chaos zutiefst besorgt. dpa / tk

Bei den erbitterten Kämpfen zwischen Rebellen und Armee im westafrikanischen Staat Liberia sind nach Medienberichten Hunderte von Menschen getötet worden. Während Verteidigungsminister Daniel Chea am Dienstag von etwa 600 Toten sprach, ist in jüngsten Meldungen von über 700 Toten die Rede. Nach Angaben von internationalen Hilfsorganisationen werden zur Zeit mehrere Hundert Verletzte in Krankenhäusern medizinisch versorgt. Die jüngsten Kämpfe um die Hauptstadt Monrovia begannen mit einer Offensive der Rebellenorganisation LURD („Liberianer vereint für Versöhnung und Demokratie“) am vergangenen Freitag.

Am Dienstag gingen die Kämpfe um das strategisch wichtige Hafengebiet von Monrovia unvermindert weiter. Auch im Vorort Gardnersville werde gekämpft, verlautete aus Militärkreisen. Augenzeugen berichteten, bei heftigen Kämpfen in Monrovia seien am Montag 60 Menschen getötet worden. Zahlreiche Artilleriegeschosse explodierten am Montagnachmittag im Stadtzentrum, zwei davon nahe der US-Botschaft. Zivilisten brachten die Leichen von 20 weiteren Opfern vor die Botschaft und verlangten eine Intervention der USA, um den Konflikt zu beenden.

Das Außenministerium in Washington warf den Rebellen vor, das Leid der Bevölkerung rücksichtslos zu vergrößern. Zugleich gab das Pentagon bekannt, dass es 4500 Soldaten näher an das westafrikanische Unruheland heran verlege. Die US-Marinesoldaten sollen mit mehreren Schiffen vom Horn von Afrika in das Mittelmeer verlegt werden, von wo aus sie schneller Liberia erreichen könnten. Bisher lehnt Präsident George W. Bush die Entsendung amerikanischer Friedenstruppen nach Liberia ab. Er verlangt zunächst den Rücktritt und die Ausreise von Liberias Präsident Charles Taylor, dessen Armee gegen die vorrückenden Rebellen kämpft.

Die Rebellen verlangen, dass Taylor das Land verlässt. Dieser hat sich dazu auch grundsätzlich bereit erklärt, verlangt jedoch, dass zuvor eine internationale Friedenstruppe die Sicherheit im Land garantiert. Am Samstag traf eine 12-köpfige Beobachtergruppe der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS in Monrovia ein, die die Lage in dem vom Bürgerkrieg verwüsteten Land bewerten soll. ECOWAS hatte Anfang Juli die Entsendung einer Friedenstruppe beschlossen, bislang jedoch noch keine Soldaten in Liberia stationiert. Nigeria hat dem liberianischen Staatschef Asyl angeboten.

Die UN-Hilfsorganisationen haben sich tief besorgt über das humanitäre Chaos im westafrikanischen Liberia geäußert. Die UN-Hochkommissare für Menschenrechte und Flüchtlinge riefen am Dienstag in Genf zu einem sofortigen Ende der Kämpfe zwischen den verfeindeten Bürgerkriegsparteien auf. UN-Flüchtlingskommissar Ruud Lubbers verlangte erneut die rasche Stationierung einer internationalen Friedenstruppe.

In Liberia greife die Cholera immer weiter um sich. 15 Personen seien bereits an der Krankheit gestorben, sagte die Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation, Fadela Chaib. Die Zahl der Erkrankten sei von 404 im Juni auf derzeit 1600 gestiegen. Ein Hauptgrund für den Ausbruch der Cholera sei die Unterernährung. 100 000 Liberianer hätten Schwierigkeiten, sich Lebensmittel zu besorgen. Der Zugang für internationale Helfer zu den Betroffenen sei sehr schwierig.

Die UN-Behörde für die Koordination humanitärer Hilfe (OCHA) sprach am Dienstag von einer verzweifelten Situation in Liberia. Nach dem Beschuss der US-Botschaft in der Hauptstadt Monrovia sei am Montag das internationale Personal evakuiert worden. In der Hauptstadt Monrovia sei die Strom- und Wasserversorgung unterbrochen. Internationale Helfer würden angegriffen.
Wegen der anhaltenden bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Bürgerkriegsparteien scheiterte der Versuch des UN-Flüchtlingshilfswerkes, rund 300 Flüchtlinge per Schiff aus Liberia in das benachbarte Sierra Leone zu bringen. Das Schiff habe in Monrovia nicht anlegen können und sei deshalb leer zurückgefahren, sagte Janowski.

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Hintergrund: Liberia - Älteste Afrikanische Republik

Liberia ist die älteste afrikanische Republik. Befreite Sklaven aus Amerika wurden auf einem 1821 von Großbritannien erworbenen Teilgebiet Sierra Leones angesiedelt . Sie gründeten die Stadt Monrovia und proklamierten 1847 die Republik Liberia.

Die Kirchen, die 1869 gegründete True Whig Party und die Großloge der Freimaurer bildeten für lange Jahre die für die Erhaltung des Systems maßgeblichen Elemente. Jedoch fühlte sich der überwiegende Teil der Bevölkerung von der Staatsmacht und vom Wirtschaftsleben ausgeschlossen, was zum Putsch von liberianischen Unteroffizieren am 12. April 1980 an Präsident Tolbert (1971-1980), führte

Nach Aufhebung der Verfassung gründete Samuel K. Does eine Militärregierung, die sich nach innenpolitischen Unstimmigkeiten in eine demokratische Regierungsform umgestaltete. Charles Taylor versuchte mit der von ihm gebildeten NPFL (National Patriotic Front of Liberia) 1989 die Macht an sich zu reißen, was nicht gelang. Doe wurde ermordet. Es folgten die Bürgerkriegsjahre von 1989 bis etwa 1996/1997, die durch Bemühungen der westafrikanischen ECOWAS und der Vereinten Nationen mit den Wahlen am 19.07.1997 endeten. Die NPP (National Patriotic Party) ging als stärkste Partei hervor. Ihr Vorsitzender Charles Ghankay Dahkpana Taylor wurde am 2. August 1997 Präsident der Republik Liberia. Die Rebellentruppe LURD hat im Jahre 1999 den Bürgerkrieg wieder aufgenommen. 2003 tauchte in Liberia eine neue Rebellenbewegung auf: die MODEL

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