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Unverzeihlich – Türkei rügt Gauck für Völkermord-Aussage

Will Gaucks Aussagen nicht verzeihen – der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu.
Will Gaucks Aussagen nicht verzeihen – der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu. FOTO: dpa
Istanbul/Berlin. Die Aussagen von Bundespräsident Joachim Gauck zum "Völkermord" an den Armeniern stürzen Deutschland in eine diplomatische Krise mit der Türkei. "Das türkische Volk wird dem deutschen Präsidenten Gauck seine Aussagen nicht vergessen und nicht verzeihen", erklärte das Außenministerium des EU-Beitrittskandidaten in Ankara. dpa/sm

Gauck hatte die Massaker im Osmanischen Reich an bis zu 1,5 Millionen Armeniern im Ersten Weltkrieg am Donnerstagabend erstmals klar als Völkermord bezeichnet. Er setzte sich damit über Bedenken hinweg, diese Einordnung könnte die Beziehungen zum Nato-Partner Türkei beschädigen. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs lehnt die Bezeichnung Völkermord ab.

Die Regierung in Ankara reagierte entsprechend scharf. Gauck habe keine Befugnis, der türkischen Nation eine Schuld anzulasten, die den rechtlichen und historischen Fakten widerspreche, hieß es in der Mitteilung des Außenministeriums. Die Regierung warnte vor "langfristigen negativen Auswirkungen" auf das deutsch-türkische Verhältnis.

Es ist nicht das erste Mal, dass Gauck in Ankara aneckt. Ende April 2014 hatte er bei einem Staatsbesuch der Regierung von Recep Tayyip Erdogan, der inzwischen Präsident ist, Demokratiedefizite vorgehalten. Erdogan wies dies damals als "Einmischung in innere Angelegenheiten" zurück.

Nicht nur Gauck wurde in scharfem Ton gerügt, sondern auch die Präsidenten Frankreichs und Russlands. François Hollande wurde seine Teilnahme an einer Gedenkzeremonie in Armenien vorgehalten, die Ankara als "Verunglimpfung der türkischen Identität, Geschichte und Gesellschaft" einstufte. Die Russen erinnerte die türkische Regierung an eigene "Gräueltaten und Vertreibungen" im Kaukasus, in Zentralasien und Osteuropa während der vergangenen hundert Jahre, und speziell an absichtlich herbeigeführte Hungersnöte und unmenschliche Behandlungen türkischer und muslimischer Menschen.