So ein Wagen ist auch die neue rot-rote Landesregierung, deren Mitglieder Ministerpräsident Dietmar Woidke und der Landesvorsitzende der Linken, Christian Görke, am Samstag ihren Parteien vorstellten. Manches scheint Woidke und Görke dabei gelungen: Die Zuständigkeit für die Lausitzer Braunkohle liegt künftig fest in einer Hand - bei der SPD. Das Ministerium für Wirtschaft und Energie und das Umweltressort werden von Sozialdemokraten geleitet. Kohlekritischen Linken sind die Hände gebunden. Doch mit dem Sozialministerium erhält die Linkspartei die Chance, Kernkompetenzen umzusetzen. Denn der linke Wirtschaftsminister Ralf Christoffers war zwar in der Wirtschaft angesehen. Aber Stimmen brachte das nicht. Doch ein Blick in die sozialen Netzwerke zeigt, dass mancher SPDler dem traditionell SPD-geführten Sozialministerium schon am Samstag nachtrauerte. Und der erste Koalitionskrach scheint schon programmiert: Dass der Oberhavel-Landrat Karl-Heinz Schröter neuer Innenminister werden soll, ist angesichts der bevorstehenden Kreisgebietsreform verständlich. Er gilt als durchsetzungsstark und war in der Vergangenheit eher ein Gegner von Kreisfusionen. Mit ihm macht Woidke den Bock zum Gärtner - Schröter könnte jeder Kritik an den Reformen glaubwürdig Wind aus den Segeln nehmen. In der Asyl- und Flüchtlingspolitik indes ist Schröters Ernennung ein verheerendes Signal. Seit Jahren wird der SPD-Politiker für sein Gutscheinsystem kritisiert, von den Linken wie von seinem künftigen Kabinettskollegen Günter Baaske (SPD). Menschen an sich können sich ändern, aber dass Schröter nun eine radikale Wende vollzieht, ist unwahrscheinlich. Gründe für den einzelnen Abgeordneten, am Mittwoch Dietmar Woidke die Loyalität zu verweigern, gäbe es theoretisch zuhauf. Praktisch aber wird die Koalitionsdisziplin vorerst stärker sein. Doch ein Blick in die Zukunft verheißt nichts Gutes: Künftg wird die rot-rote Regierungskoalition zum filigranen Gefährt, dessen Achsen weit mehr mögliche Bruchstellen haben, als der robuste Geländewagen, mit dem man bislang unterwegs war.

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