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| 01:34 Uhr

Unterstützung für Scheidungskinder in der Region

Sonntagabend, irgendwo in der Lausitz. Ein kleiner Tim oder eine kleine Lisa werden, erschöpft von einem erlebnisreichen Wochenende, bei ihrer Mutter abgeliefert. Der Vater, frisch geschieden, verabschiedet sich für die nächsten 14 Tage. Von Andrea Hilscher

Scheidungsalltag für Tausende Kinder in der Region - der oft bedeutet, dass Tim und Lisa jetzt nicht einfach glücklich in Mamas Arme sinken: Die Kinder weinen, klagen über Bauchschmerzen, haben Alpträume, machen nach dem „Papa-Wochenende“ plötzlich wieder ins Bett. „Und dann stehen die wütenden Mütter montags bei uns in der Kanzlei und fordern, dass wir dem Vater das Umgangsrecht einschränken“ , sagt Sylvia Mittag, Rechtsanwältin in Cottbus.
Seit fünf Jahren ist sie Mitglied im regionalen „Arbeitskreis Trennung/Scheidung“ und sucht gemeinsam mit Sozialarbeitern, Familienrichtern, Jugendamtsmitarbeitern und Pädagogen nach Wegen, den Trennungsprozess der Eltern für Kinder erträglicher zu machen. Jetzt berieten die Experten auf einem Kongress, wie vor allem die juristischen Verfahren so vereinfacht werden können, dass Kinder nicht zum Spielball ihrer Eltern werden. Britta Horn, Diplom-Psychologin der Erziehungsberatungsstelle der Jugendhilfe Cottbus: „In der Krise einer Trennung sind Eltern wütend, verletzt, gekränkt, wollen Rache - und sollen gleichzeitig Rücksicht nehmen und an das Wohl ihrer Kinder denken.“ Eine schwierige Situation, in der Juristen und Berater die Wogen glätten müssen.
Alexander Hoestermann, Psychologe im SOS-Beratungszentrum Cottbus: „Oft ist es schon ein großer Erfolg, wenn wir es schaffen, dass die früheren Partner kühl und distanziert miteinander reden. In einer solchen emotionsfreien Atmosphäre können Lösungen gefunden werden, die dem Kind gut tun.“

Atmosphäre ohne Emotionen
Oft aber sitzen die Konflikte so tief, dass auch die beste Beratung scheitert. Jana Rakel, ausgebildete Mediatorin, sitzt in ihrer Praxis oft vor früheren Partnern, die vom Gericht oder Jugendamt zur Streitschlichtung geschickt werden. „Doch manchmal sind Konflikte schon zu verhärtet. Da ist der einstige Partner nur noch der Feind. Die frühere Frau wird für verrückt erklärt, der Mann des Missbrauchs bezichtigt und das Kind benutzt, um den Gegner zu verletzen.“ Was in der Praxis heißt, dass per Gericht der Umgang gekürzt oder verhindert werden soll, dass Kinder über die Lebensverhältnisse des Ex-Partners ausspioniert werden oder immer wieder Partei ergreifen müssen in den Kämpfen der Erwachsenen.

Verpflichtet und berechtigt
„Solche Eskalation müssen wir nach Möglichkeit verhindern“ , so Rechtsanwältin Mittag. Denn oft sei der Anwalt erster Ansprechpartner beim Entschluss zur Trennung, hier würden wichtige Weichen für die Zukunft gestellt. „Schicke ich einen Klienten gleich zu Beginn in eine - im Übrigen kostenlose Beratung - besteht die Chance auf Einsicht.“ Einsicht in die Tatsache, dass man sich nur von Partnern trennen kann, niemals aber von der Vater- und Mutterrolle. „Im Gesetz ist festgeschrieben, dass Eltern zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt sind“ , so Sylvia Mittag. „Genau in dieser Reihenfolge. Und bei allem, was wir als Anwälte tun, sollten wir immer den dritten Mandanten jedes Verfahrens im Blick haben - das Kind.“
Konkret hieße das: Schon beim Abfassen von Schriftsätzen auf scharfe Formulierungen verzichten und einen möglichst zurückhaltenden Ton anschlagen, weniger schreiben und mehr in der mündlichen Verhandlung klären, um Missverständnisse sofort ausräumen zu können. Psychologin Horn: „Kinder wollen sowieso Eltern, die ihre Angelegenheit selbst regeln und dafür keine Hilfe vom Gericht brauchen.“ Schaffen die Erwachsenen es, dieses Vorbild zu liefern, kommen die Kinder auch ohne Bauchweh und Alpträume vom „Papa-Wochenende“ heim.
„Aber die Familien, die ihre Trennung gut hinkriegen, sehen wir hier nicht“ , sagt Claudia Trojan, Leiterin des SOS-Beratungszentrums. „Wir haben nur die Paare, die mit ihrer Situation überfordert sind. Und eben häufig auch solche, die gar keinen Kontakt mehr zum Nachwuchs wollen.“ Sie erzählt von einem Kind, dass gerade die Trennung seiner Eltern verkraften muss - und die Tatsache, dass weder Vater noch Mutter das Sorgerecht wollen.