Kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte der damalige US-Präsident George W. Bush über Osama bin Laden gesagt: „Wenn er glaubt, er könne sich verstecken und vor den USA und ihren Verbündeten fliehen, dann hat er sich schwer getäuscht.“ Fast zehn Jahre lang sah es so aus, als hätte Bush damit falsch gelegen.

Zwischenzeitlich war die Spur Bin Ladens erkaltet, obwohl auf den Kopf des Al-Qaida-Chefs 50 Millionen US-Dollar (38 Millionen Euro) ausgesetzt waren. Dann gelang am 2. Mai diesen Jahres doch noch der von den USA lang ersehnte Einsatz.

In einer geheimen Kommandooperation stürmten US-Soldaten der Elite-Einheit Navy Seals ein Anwesen im pakistanischen Abbottabad. Ausgerechnet in einer Garnisonsstadt hatte der meistgesuchte Terrorist der Welt jahrelang Zuflucht gefunden.

Die Soldaten erschossen Amerikas Staatsfeind Nummer eins, die Leiche wurde im Meer versenkt. Mit seiner Tötung versetzten die USA dem internationalen islamistischen Terrorismus den bislang schwersten Schlag. Zugleich sorgte die Operation aber dafür, dass das ohnehin angespannte Verhältnis zu Pakistan einen Tiefpunkt erreichte.

Dass die USA ihrem angeblichen Verbündeten im Kampf gegen den Terrorismus nicht mehr trauten, bewies spätestens die Operation in Abbottabad: Weder Regierung noch Armee der Atommacht waren zuvor von den Amerikanern eingeweiht worden.

Und das zerrüttete Verhältnis zwischen den beiden vorgeblichen Verbündeten sollte noch weiter belastet werden. Ende November beschossen US-Kampfhubschrauber zwei pakistanische Armeeposten an der Grenze zu Afghanistan. Nach offiziellen pakistanischen Angaben starben 24 Soldaten. Die aufgebrachte Regierung in Islamabad kündigte an, alle Abkommen mit den USA und der Nato zu überprüfen. Als erste Konsequenz kappte sie die Nato-Nachschubroute für die ausländischen Truppen in Afghanistan. Und Islamabad boykottierte die Afghanistan-Konferenz in Bonn Anfang Dezember.