Schon in der Vergangenheit hatten Eltern darauf aufmerksam gemacht, dass ihre Kinder zum Teil monatelang in wichtigen Fächern nicht unterrichtet werden. Vom Bildungsministerium eingeräumt wird dagegen ein tatsächlicher Ausfall von Unterricht in einem Umfang von weniger als drei Prozent, das heißt etwa jede 30. Schulstunde findet nicht statt.
Die Vorsitzende des Petitions-Ausschusses Marina Marquardt (CDU) spricht in ihren letzten Bilanzbericht von einer "Vielzahl von Petitionen" zum Thema Unterrichtsausfall. Sie gestand den Schulbehörden "in mehreren Fällen" zu, alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben, um die Situation zu verbessern. "Gleichwohl war eine Reduzierung des Unterrichtsausfalls nicht immer oder nur mit erheblicher Verzögerung festzustellen."
Da die Lösung des Problems meist nicht an der Arbeit der Schulen oder Schulbehörden liegt und man deren Tätigkeit im einzelnen nicht beanstanden könne, so Frau Marquardt, wurde jetzt der Bildungs-Ausschuss einbezogen. Die "allgemeine Problematik" müsse einer politischen Lösung zugeführt werden.
Der Unterrichtsausfall an brandenburgischen Schulen ist nach Angaben des Ministeriums nicht bedrohlicher als in anderen Bundesländern. Doch finden immerhin zwischen acht und zehn Prozent aller Unterrichtsstunden "nicht wie geplant" statt. "Der Ausfall hat sich verringert, aber die Wahrnehmung ist anders", sagte die Vorsitzende des Bildungs-Ausschusses Carola Hartfelder vor einiger Zeit. In den meisten Fällen könne über Vertretung oder andere Formen der Beschäftigung Unterricht doch noch erteilt werden. Zu den Gründen des Ausfalls gehören Krankheitsfälle und Weiterbildung. Betroffen seien vor allem Gesamtschulen und Gymnasien.
PDS-Fraktionschef Lothar Bisky hat dagegen geäußert, dass die Regelschulzeit in Brandenburg um ein ganzes Jahr verkürzt werden könne, wenn nur der Unterrichtsausfall selbst ausfallen würde. Mit einer Verschärfung des Problems ist deshalb zu rechnen, weil die brandenburgischen Lehrer im Schnitt immer älter, damit auch gesundheitlich anfälliger werden. Die Verringerung der Lehrerzahl um nahezu 7000 wird in erster Linie dadurch erreicht, dass die Stellen pensionierter Pädagogen nicht wieder besetzt und der nachwachsenden Lehrergeneration die Einstellung verwehrt wird.
Um den Ausfall so gering wie möglich zu halten, habe das Ministerium im laufenden Schuljahr den Schulen erstmals vor zwei Jahren eine "Vertretungsreserve" von drei Prozent eingeräumt, teilte Bildungsminister Steffen Reiche (SPD) mit. Für den Fall, dass keine Ausfallstunden ausgeglichen werden müssten, könnten diese Kapazität als Förderstunden genutzt werden.