Alles in allem stellt Sachsen für das neue Schuljahr so viele Lehrer ein wie lange nicht. Von einem "Einstellungsrekord" sprach Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) gestern in Dresden. Insgesamt hatten Sachsens Schulbehörden 1148 Vollzeitjobs zu vergeben. Je ein Viertel davon an Grundschulen und Oberschulen.

Steigende Schülerzahlen

Mehr Lehrer werden gebraucht, auch weil die Schülerzahlen in Sachsen seit Jahren steigen. Ab dem nächsten Montag werden 10 000 Schüler mehr die Bank drücken als vor den Sommerferien. Darunter auch viele Flüchtlingskinder. 9200 Kinder mit Migrationshintergrund wurden auf die 1353 öffentlichen Schulen verteilt. Dafür wurden 530 Klassen für Deutsch als Zweitsprache (Daz) eingerichtet - 15 mehr als 2015.

Um die benötigten Lehrer zusammenzubekommen musste Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) auf so viele Quereinsteiger wie nie zurückgreifen. Wo geeignete Lehramtsabsolventen fehlen, stellt die Bildungsagentur diplomierte Chemiker, Mathematiker oder Physiker ein. Noch vor einem Jahr wurde jede fünfte Stelle mit Akademikern ohne Lehramtsausbildung besetzt. Diesmal machen sie schon fast die Hälfte der neu eingestellten Lehrkräfte aus.

Warum auch an Gymnasien auf diese Kräfte zurückgegriffen werden muss, ist der Linken-Bildungspolitikerin Cornelia Falken schleierhaft. Immerhin melden sich genug Bewerber für das gymnasiale Lehramt. Und immer noch werden überzählige Lehrer mit Gymnasiums-Qualifikation an Oberschulen oder Grundschulen weitergereicht, wo die Bezahlung schlechter ist.

Falken kritisiert zudem den Mehraufwand, den die Stammlehrer bringen müssen, um die neuen Kollegen zu unterstützen. Die Personalpolitik der schwarz-roten Staatsregierung "beschränkt sich auf das Stopfen von Löchern". Sachsen täte laut der Linken besser daran, die Nettogehälter der angestammten Lehrer deutlich zu verbessern. Die Grüne Petra Zais ist skeptisch, was den Unterricht für das anstehende Schuljahr betrifft: "Für mich steht fest: Unterrichtsausfall, fachfremde Vertretungen und Abordnungen von Lehrkräften werden auch im beginnenden Schuljahr an der Tagesordnung bleiben", sagt Zais.

Verbesserungen im Etat gefordert

Auch bei der mitregierenden SPD ist die Sorge groß. Sachsens Bildungssystem habe "ein wirklich großes Problem", sagt die Bildungssprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Sabine Friedel. Die Lehrer verdienten eine "Entschuldigung, dass es so weit gekommen ist". Im neuen Landeshaushalt müssten Verbesserungen angeschoben werden - im Stellenplan genauso wie bei der Eingruppierung.