Seit der Bildung der Regierungskoalition von Nationalkonservativen, Nationalisten und der radikalen EU-skeptischen Bauernpartei scheint der Weg zu Missverständnissen und Meinungsunterschieden vorgezeichnet. Da lässt etwa die polnische Diskussion über die Wiedereinführung der Todesstrafe, mit der sich die nationalistische Liga Polnischer Familien im bevorstehenden Kommunalwahlkampf profilieren will, im Westen die Alarmglocken schrillen.
Ausländischen Journalisten, zumal deutschen, die über die zunehmende Platzierung regierungsfreundlicher Redakteure in Schlüsselpositionen in den Medien oder den Aufbau einer Superbehörde mit umfassenden Vollmachten zur Überwachung von Kontakten zwischen Politik und Wirtschaft berichten, wird geradezu bösartiges Verhalten vorgeworfen. Mit der Ernennung des Sprechers des Außenministeriums zum Regierungsbeauftragten für die Förderung eines positiven Images Polens soll hier gegengesteuert werden.
Bei der Lektüre polnischer Medien über die Berliner Ausstellung über Vertreibungsschicksale und die begleitenden Kommentare mancher Politiker entsteht der Eindruck, die Deutschen versuchten ihre Geschichte umzudeuten und zu verschweigen, wer den Zweiten Weltkrieg begann. Die Gaspipeline zwischen Russland und Deutschland, die unter Umgehung Polens und der baltischen Staaten durch die Ostsee führt, gilt wiederum als Bedrohung polnischer Energieinteressen und polnische Zeitungsleser dürften sich mittlerweile bang fragen, ob sie demnächst frierend im Dunkeln sitzen, weil nur noch Gas durch die Ostsee nach Deutschland fließt. Vorbei scheinen die Zeiten, als Deutschland als Anwalt Polens in der EU galt.
Wissenschaftler und Intellektuelle in Deutschland und Polen sind beunruhigt und besorgt über die wachsenden Schwierigkeiten im deutsch-polnischen Verhältnis. Ende Juli appellierten die Mitglieder der Kopernikus-Gruppe, die seit Jahren in Streitfragen wie etwa der Beutekunst Stellung bezieht, an "Vernunft und Verantwortungsgefühl" der Politiker. Negative Erscheinungen würden über Gebühr betont und drohten, das Ergebnis eines jahrzehntelangen Versöhnungsprozesses zu gefährden, mahnten sie in einem Brief.
In Deutschland wiederum hat sich das Bild der Polen in den vergangenen Jahren verbessert. Das schlechte Image von Zigarettenschmuggel und Autoklau existiert zwar noch, zunehmend aber werden die Polen als arbeitsam, tatkräftig und dynamisch beschrieben. Einen deutschen Nachbarn oder einen polnischen Schwiegersohn zu haben - das ist für die meisten "Normalbürger" längst kein Problem mehr.