Das Herzstück des neuen Verfahrens steckt in einem unscheinbaren weißen Container, der in der Nähe von Neustadt (Kreis Bautzen) auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz im Kiefernwald steht. In dem Container befinden sich ein Schaltschrank, ein Rechner, eine ganze Batterie von grauen Rohren mit roten Schaltvorrichtungen und ein großes Kunststoffgefäß voll Glycerin.

Vor dem Container ragen auf 100 Metern Länge kurze orangefarbene Kunststoffhülsen aus dem Boden. In diesen Hülsen stecken Lanzen, die bis fast 20 Meter Tiefe in das Erdreich ragen. Zusammen bildet diese Technik eine Pilot- und Demonstrationsanlage der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV), die den Eisenockergehalt der Spree reduzieren soll. Am Diestag ging sie nach einem halben Jahr Bauzeit in den Dauerbetrieb.

Eisenhydroxid, "Ocker" genannt, und die saure Schwefelverbindung Sulfat entstehen durch Verwitterung eisenhaltiger Mineralien im Boden, wenn sie mit Sauerstoff in Berührung kommen. Das ist im Lausitzer Bergbaurevier durch die intensive Grundwasserabsenkung und die Schüttung von Kippenböden an vielen Stellen der Fall. Die "Spreewitzer Rinne", eine geologische Formation auf sächsischer Seite der Landesgrenze zu Brandenburg nahe Spremberg, ist ein besonderer Schwerpunkt dieser Belastung.

Bis zu 400 Milligramm Eisen pro Liter trägt das Grundwasser hier in die Spree. Die neue Demo-Anlage der LMBV steht an so einer Stelle. Hinter dem weißen Container wird Grundwasser aus dem Boden gepumpt, mit Glycerin versetzt und dann über die unterirdischen Lanzen wieder in den Boden gebracht.

Im Wasser befinden sich Bakterien, die durch das zugesetzte Glycerin schneller wachsen. "Sie entziehen bei ihrem Stoffwechsel dem Sulfat Sauerstoff", erklärt Oliver Totsche, der bei der LMBV das Projekt wissenschaftlich begleitet. Die Folge sei, dass sich Eisensulfit bildet, das sich in den Poren des Erdreiches rings um die Bodenlanzen ablagert. Die Ocker- und auch die Sulfatbelastung der nahe gelegenen Spree sinken.

In der Pilotanlage können 90 Prozent des Eisens aus dem behandelten Grundwasser geholt werden. Gemessen an der Gesamtmenge des braunen Eisenockers in der Spree ist das jedoch vorerst nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Doch dabei soll es nicht bleiben, wie Volkmar Zarach, Abteilungsleiter der LMBV ankündigt. "Mitte kommenden Jahres sollen so viele Erfahrungen mit diesem Verfahren vorliegen, dass wir entscheiden können, an welchen besonderen Schwerpunkten wir es einsetzen."

Der Kampf um eine saubere Spree im Bereich der "Spreewitzer Rinne" sei aber ohnehin nur ein Mosaikstein. Bei Spreewitz werde in Kürze der Bau von Brunnenriegeln beginnen. Später sollen weitere Brunnen bei Burghammer dazukommen. Die Brunnen werden stark eisenhaltiges Wasser abfangen und in Grubenwasserreinigungsanlagen leiten. "Im Frühjahr 2015 werden auch Untersuchungsergebnisse über die Wirksamkeit einer unterirdischen Dichtwand im Kampf gegen den Ocker vorliegen", kündigt Abteilungsleiter Zarach an. Dann werde dazu eine Entscheidung getroffen. Insgesamt soll das ganze eisenlastige Grundwasser aus der "Spreewitzer Rinne" in einigen Jahren mit einer Rohrleitung in das Speicherbecken Lohsa II gebracht werden, wo sich der Ocker am Boden absetzen kann, so die LMBV-Pläne. Winfried Böhmer vom Bündnis "Klare Spree" sieht die Inbetriebnahme der neuen Demoanlage in Neustadt mit gemischten Gefühlen. "Es wäre wunderbar, wenn es funktioniert, aber noch ist das nicht sicher", sagt er. Außerdem sei diese Anlage schon 2012 als "Sofortmaßnahme" für den Südraum der Spree angekündigt worden.

Doch bei der LMBV habe es eine Weile gedauert, die nötigen Fachkräfte für das Ockerproblem in einer speziellen Fachabteilung zusammenzufassen. Und in Sachsen, so Böhmers Einschätzung, sei die Bürokratie bei den Genehmigungsverfahren für solche Anlagen größer als in Brandenburg: "Daran gemessen war es dann doch noch recht schnell, dass die Anlage jetzt in Dauerbetrieb gehen konnte."

Auf eine sichtbar saubere Spree, vor allem oberhalb der Spremberger Talsperre werden die Anwohner aber noch lange warten. "Wir werden noch mindestens fünf Jahre brauchen, bis die Eisenreduzierung spürbar wird", sagt Volkmar Zarach von der LMBV. Aber auch dann werde die Eisenlast nur etwa halbiert sein: "Richtig sauber ist die Spree auch dann nicht."

Zum Thema:
Eisenockerbelastungen treten besonders im Spreewald in der Nähe von Raddusch und im sächsischen Teil des Flusslaufes vor der Landesgrenze zu Brandenburg auf. Die sächsische Ockerfracht wird bisher vor allem durch die Talsperre Spremberg abgefangen.Für Bauarbeiten an der Staumauer wurde im August zusätzliche eine Beflockungsanlage vor der Talsperre errichtet. Sie soll dauerhaft zur Verfügung stehen, um Ocker auszufällen. sim