"Unter dem Begriff Task Force versteht man maritime Einsatzkräfte der USA im Zweiten Weltkrieg und landesweit aufgestellte Katastrophenschutzeinheiten in Rheinland-Pfalz." Rainer Bretschneider sitzt im Presseraum der Potsdamer Staatskanzlei und liest aus der Wikipedia vor.

Der Andrang ist groß: Beim ersten Pressefrühstück des neuen Flughafenkoordinators der Landesregierung bleibt kein Platz mehr frei. Am Freitag war der langgediente Brandenburger Beamte aus dem Verkehrsministerium in die Staatskanzlei abgeordnet worden, am Sonntag räumte er seine Akten in den Schrank. Nun stützt er sich mit einer Hand auf der Tischplatte auf, der bärtige Kopf scheint zwischen den breiten Schultern zu verschwinden.

Die breiten Schultern wird Rainer Bretschneider im Umgang mit dem Chaos-Flughafen brauchen können. Eine handlungsfähige Geschäftsführung sei sein erstes Ziel, verkündet er. Doch zu dem als Favoriten gehandelten früheren Frankfurter Flughafenchef Wilhelm Bender sagt der Krisenmanager von Matthias Platzeck nicht sehr viel. "Er ist ein erfahrener Mann, der Fraport offenbar zur Zufriedenheit geführt hat", so Bretschneider. "Aber ich war 20 Jahre Personalchef - von mir erfahren Sie da nichts mehr." Nur, dass die notwendige Personalentscheidung "baldmöglichst" getroffen werden muss. Aber das wissen die Journalisten auch so. "Unsere absolute Priorität ist es, das System, so wie es jetzt konzipiert ist, zum Laufen zu kriegen", sagt der Staatssekretär. "Wir dürfen keine neuen Selbsttore durch immer mehr Änderungswünsche mehr schießen."

Die Gesellschafter der Flughafengesellschaft müssten endlich an einem Strang ziehen, und die neue Geschäftsführung müsse sich um das "verbesserungsfähige Binnenklima" kümmern. "Wir brauchen motivierte Mitarbeiter, die sich für den Flughafen einsetzen", sagt Bretschneider.

An anderer Stelle schraubt Bretschneider die Erwartungen dagegen zurück. Auf dem Flughafen sei er im vergangenen Jahr nur für Aufsichtsratssitzungen oder andere Termine im Besucherzentrum gewesen. Nicht einmal war er auf der Baustelle. "Ich bin kein Freund von Baustellentourismus", sagt Bretschneider. Und daran werde auch das neue Amt nichts ändern.

"Ich werde mich nicht vor einen Kabelschrank stellen und gucken, ob die Kabel richtig isoliert sind", sagt Bretschneider - und schießt damit ein wenig gegen die Brandenburger CDU, die in der Vergangenheit immer wieder eine höhere Präsenz der Aufsichtsräte auf der Baustelle anmahnte.

Von einer "Chimäre" spricht der neue Krisenmanager in Verbindung mit den Plänen, den Flughafen zu einem internationalen Drehkreuz auszubauen. Bislang rechne man mit 360 000 Flugbewegungen pro Jahr, etwa beim Schallschutz-Konzept. Ob sich daraus ein Drehkreuz ergebe, sei Sache der Fluggesellschaften, nicht des Aufsichtsrates. "Das Hubsystem hängt an den Flugplänen der Gesellschaften", sagt Bretschneider. "Es ist nicht staatlich steuerbar."

Auf konkrete Daten, Kosten oder Termine will sich der neue Mann partout nicht festlegen lassen. "Ich weiß noch nicht einmal präzise, was Herr Amann in den Gremien mit welchen Argumenten vorgetragen hat", sagt Bretschneider. Immer wieder benutzt er den Begriff "valide": "Wir brauchen einen Zeitplan, wo wir in der Lage sind, valide mit den Themen umzugehen - und ich sehe diesen Zeitplan im Moment nicht."

Oder: "Man muss freimütig zugestehen: Das, was bislang aus der Gesellschaft gekommen ist, war nicht valide." Glaubwürdigkeit, haltbare Aussagen und Daten sind Bretschneider offenbar ein wichtiges Anliegen. Jedenfalls bemüht er sich, das an diesem Morgen den Journalisten zu vermitteln.

Dann aber sind alle Fragen gefragt. Die Pressevertreter packen ihre Sachen. Da hebt Bretschneider noch einmal an. "Eines möchte ich Ihnen gerne noch selbst sagen", sagt der neue Staatssekretär. "Wenn diese Pressekonferenz vorbei ist, werde ich für eine Woche mit meinen Kindern nach Hongkong fliegen - das habe ich ihnen zum Abitur versprochen."

Dass dem preußischen Beamten bei dieser Reise unwohl ist, zeigt die Körpersprache. Das Gesicht des Staatssekretärs wirkt plötzlich angespannt, wie bei einer Herzattacke. Und beim Reden bricht die Stimme. Denn Rainer Bretschneider weiß, was man von ihm erwartet. Er hat eine Aufgabe, die eigentlich nicht schaffbar ist. Er muss den Flughafen ans Netz bringen. Und eine Woche Hongkong hilft da nicht.