Am 29. November 1947 beschlossen die Vereinten Nationen die Gründung eines jüdischen und arabischen Staates in Palästina. Fast auf den Tag genau sechs Jahrzehnte später besiegelten Israels Regierungschef Ehud Olmert und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas mit einem Handschlag, dass sie binnen eines Jahres einen Friedensvertrag schließen wollen.



„Nur ein Wunder“ könne das schaffen, schreibt der angesehene Kommentator Nahum Barnea in der Zeitung „Jediot Achronot“. „Nur daran zu denken ist so, als ob man an einem Marsch von Narren teilnimmt. Nach jeder großen Show und Konferenz hat es bislang immer nur mehr Terroranschläge gegeben“, sagt Sara Eliash vom Rat jüdischer Siedler.

Fehlendes Interesse am Frieden

„Der durchschnittliche Israeli ist weit mehr an Verhandlungen zur Beendigung des Lehrerstreiks interessiert, als an Verhandlungen zur Beendigung des israelisch-palästinensischen Konflikts“, sagt Dalia Israeli, eine Büromanagerin in Tel Aviv. „Unser Leben wird kein bisschen besser als vor Annapolis“, meint auch der palästinensische Student Dschamil Sidawi.

Wenn Olmert und Abbas am Donnerstag nach Jerusalem und Ramallah zurückkehren, erwartet sie die graue Realität zu Hause und vor allem eins: politisches Taktieren. „Wir wollen auch Frieden, aber zur Zeit ist das reine Fantasie“, sagt der Vorsitzende der ultra-orthodoxen Schas-Partei, Eli Jischai – ein Koalitionspartner von Olmert.

Ultrakonservative wollen Panzer nach Gaza schicken

Während Israel und die Palästinenser am 12. Dezember erstmals verhandeln wollen, halten Jischai und der Minister Avigdor Lieberman von der ultrarechten Partei Israel Beitenu (Israel unser Haus) den idealen Zeitpunkt für eine Militäroffensive im Gazastreifen gekommen, um den Beschuss Israels mit Kassam-Raketen zu beenden.

Es gibt viele Stolpersteine auf dem Weg zum Frieden, aber es kann auch gut sein, dass Olmert über die eigenen Füße fällt. Die Frage sei nicht, ob ein Friedensabkommen bis Ende des kommenden Jahres möglich sei, sondern ob Olmert bis dahin politisch überlebe, schreibt Shimon Shiffer in der „Jediot Achronot“. In drei Korruptionsfällen werde gegen Olmert ermittelt. Möglicherweise werde er angeklagt.

Wenn Palästinenserpräsident Abbas in die Mukata, seinen Amtssitz in Ramallah, zurückkommt, hat er es wieder mit seinem alten innenpolitischen Rivalen, der radikalislamischen Hamas-Organisation, zu tun.

Hamas hält Frieden für "Verbrechen"

Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri ließ Abbas schon wissen, dass dessen Versprechen, den Nahost-Friedensplan umzusetzen, ein „Verbrechen“ sei. „Sie verkaufen uns Illusionen“, sagt der Hamas-Aktivist Ribhi Rantisi dem israelischen Armeeradio. „Sie haben (in Annapolis) weder über Gefangene, Flüchtlinge oder das Rückkehrrecht diskutiert. Es ist alles Geschwätz.“

Mit den Totalverweigerern von Hamas steckt Abbas in der Klemme. Abbas muss den von der Hamas beherrschten Gazastreifen binnen eines Jahres wieder unter Kontrolle bringen und dort Terror und Gewalt Einhalt gebieten, sonst wird es nichts mit einem Palästinenserstaat. Nur wie?

„Möglicherweise werden die künftigen diplomatischen Versuche zu Ergebnissen führen, mit denen wir jetzt nicht rechnen“, vertritt die in Ramallah lebende Hausfrau Suad Alaeddin eine Minderheitsmeinung.

Und aus all der Kritik und Skepsis in den israelischen Zeitungen hebt sich ein Kommentar von Yair Lapid in der „Jediot Achronot“ ab. Im Nahen Osten solle man weder zu früh von Erfolg sprechen noch zu zeitig das Scheitern erklären. Das gelte für alle, die früher schon gesagt hätten, Israel könne nicht mit Ägypten oder Jordanien Frieden schließen oder sich aus dem Gazastreifen zurückziehen.