Die Untersuchung, die der RUNDSCHAU vorliegt, erfolgte im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen. 16 Proben wurden analysiert - keine einzige war frei von Rückständen. "Die gemessenen Werte sind untragbar", so Irene Witte, Professorin am Institut für Toxikologie. Sie forscht seit Jahren zu Pestiziden.

Die Proben von 16 Frauen im Alter von 30 bis 39 Jahren wurden Mitte Mai bis Ende Juni entnommen. Die Mütter stillten jeweils das erste, zweite oder dritte Kind im Alter von eineinhalb bis elf Monaten. Es nahmen Frauen aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz teil.

Ergebnis: In der Muttermilch lag der ermittelte Glyphosat-Anteil jeweils über dem für Trinkwasser zulässigen Rückstandshöchstgehalt von 0,1 Nanogramm pro Milliliter - zum Teil erheblich. In der Untersuchung sind Werte zwischen 0,211 und 0,432 Nanogramm pro Milliliter festgestellt worden. Zugleich gaben die 16 Frauen Urinproben ab. Da lagen die erforschten Anteile sogar zwischen 0,276 und 2,273 Nanogramm pro Milliliter.

Sie habe "mit solch hohen Rückstandswerten" nicht gerechnet, so Expertin Witte. Die Analysen müssten nun dringend erweitert werden. Doch woher kommend die Rückstände? Und vor allem: Müssen stillende Mütter sich jetzt sorgen um die Gesundheit ihrer Kinder machen?

Welche Folgen Glyphosat haben kann, ist noch nicht abschließend erforscht. Laut Weltgesundheitsorganisation WHO ist das Herbizid "wahrscheinlich krebserregend". Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung ist sich nicht sicher, welche Wirkung der Stoff im Körper haben kann und wie er überhaupt in die Muttermilch gelangt. Fest steht, dass die Frauen keinen direkten Kontakt mit Glyphosat hatten, möglicherweise haben sie es also über die Nahrung aufgenommen.

Zur Panik bestehe kein Anlass, betonen auch die Grünen. "Natürlich soll jetzt niemand aufhören zu Stillen", so die Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses, Bärbel Höhn, zur RUNDSCHAU. "Muttermilch ist immer noch die beste Nahrung für jedes Baby." Aber: Frauen könnten auch selbst etwas tun, um eine mögliche Belastung gering zu halten. Da aber nicht alle komplett auf Biokost umsteigen könnten oder wollten, sei jetzt die Bundesergierung gefordert. "Sie muss Glyphosat aus dem Verkehr ziehen, bis die Frage der krebsauslösenden Wirkung geklärt ist."

Nach Angaben der Grünen wurden 2012 in Deutschland sechs Millionen Kilogramm reiner Wirkstoffmenge ausgebracht. Pflanzenschutzmittel erhalten in der Regel in der EU eine auf zehn Jahre befristete Zulassung - die für Glyphosat läuft Ende 2015 aus. Die Grünen fordern nun eine Aussetzung der Zulassung.