Mehr als 17 000 Berliner und Brandenburger verdanken ihren Arbeitsplatz den Hochschulabsolventen der Region: In den vergangenen 30 Jahren wurden an den Berliner und Brandenburger Hochschulen mindestens 721 Unternehmen gegründet, die heute einen Gesamtumsatz von mehr als 1,7 Milliarden Euro erwirtschaften. Das ist das Ergebnis der von der Technischen Universität Berlin vorgenommenen ersten Berlin-Brandenburger Gründungsumfrage, an der sich insgesamt zehn Hochschulen in Berlin und Brandenburg beteiligt haben.

"Die Ergebnisse zeigen, wie bedeutsam die Gründungen aus den Hochschulen für die wirtschaftliche Entwicklung sind", sagte Brandenburgs Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos). Als sehr positiv habe sich in diesem Zusammenhang die Gründungsförderung der Hochschulen erwiesen: Aus ihr seien allein im vergangenen Jahr 168 Unternehmensgründungen hervorgegangen. "Die Vernetzung von Hochschulen, außeruniversitärer Forschung und Wirtschaft trägt dazu bei, dass Ausgründungen gefördert und innovative Ideen und Konzepte realisiert werden können." Der Vorsitzende der Brandenburger Hochschulrektorenkonferenz, der Potsdamer Universitätspräsident Oliver Günther, hob hervor, dass in Brandenburg in den vergangenen Jahrzehnten stark in die Infrastruktur und das Hochschulsystem investiert worden sei. "Brandenburg ist heute ein attraktives Land, um ein Unternehmen zu gründen." Während der Speckgürtel von der Vernetzung mit Berlin und den dort vorhandenen Fachkräften profitiere, böten "Cottbus, Frankfurt (Oder) und Brandenburg (Havel) Kostenvorteile". So seien etwa die Gewerbemieten in der Peripherie des Landes oft günstiger als im Speckgürtel.

Die Frankfurter Viadrina und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg waren an der Gründungsumfrage nicht beteiligt. Nach Angaben von BTU-Sprecherin Susett Tanneberger seien aus der BTU im vergangenen Jahr insgesamt 28 Firmengründungen hervorgegangen. Das Brandenburgische Institut für Existenzgründung und Mittelstandsförderung (Biem) betreute davon 25. Zum Vergleich: An der Universität Potsdam betreute das Biem 2013 insgesamt 20 Existenzgründungen, an der nur rund 2000 Studenten zählenden Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNEE) in Eberswalde 14. Und die Bandbreite der Initiativen ist groß: So gewann im vergangenen Jahr beispielsweise das BTU-Startup IMADAC den "Lausitzer Existenzgründerwettbewerb" - ein Unternehmen, das eine Plattform zur statistischen Auswertung multimedialer Daten anbieten will. Doch es muss nicht immer nur die Wissenschaft sein: Von BIEM gefördert wurden auch ein von Studenten gegründeter Coffeeshop oder ein Online-Handel für Antiquitäten. Und derzeit betreut das Institut etwa eine Initiative von Studenten der Fachhochschule Brandenburg (Havel), die ein vollautomatisches elek-tronisches Schließsystem für Fahrräder entwickelt hat.

In Sachsen konnten Wirtschaftsministerium und Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst auf Nachfrage der LAUSITZER RUNDSCHAU keine aktuellen Zahlen zur Ausgründung von Firmen aus den sächsischen Universitäten vorlegen. "Wir haben bislang keine derartigen Zahlen erhoben", sagte die Pressesprecherin im Wissenschaftsministerium, Annett Hofmann.

Dabei haben auch zahlreiche sächsische Universitätsabsolventen den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Allein an den vier TU-Standorten in Freiberg, Zwickau, Mittweida und Chemnitz habe es seit 2008 etwa 180 Unternehmensgründungen gegeben, sagte Susanne Schüeel von der Existenzgründungsinitiative "Saxeed", die ähnlich wie das Biem Ausgründungen betreut. Doch eine Studie wie in Berlin und Brandenburg gibt es für Sachsen derzeit noch nicht.