Der Forstwissenschaftler und Baukoordinator ist vor allem stolz darauf, dass der Hochschulstandort uneingeschränkt erhalten blieb und nichts von seiner Attraktivität eingebüßt hat.
"Das sah unmittelbar nach der Flut noch ganz anders aus", erinnert sich Erler. Damals gab es Überlegungen, die Außenstelle der Technischen Universität (TU) Dresden zu schließen. Das hätte das Ende der 200-jährigen forstwissenschaftlichen Tradition in der osterzgebirgischen Kleinstadt bedeutet. Doch der Kelch ging an Tharandt vorüber, mittlerweile flossen rund 20 Millionen Euro in den Hochschulstandort, davon allein 4,5 Millionen in die kombinierte Mensa und Bibliothek.
In Tharandt zog man Erler zufolge Konsequenzen aus dem Hochwasser. Die Wilde Weißeritz macht ihrem Namen alle Ehre und richtete unermesslichen Schaden im Bestand der Bibliothek an. Künftig werden Bücher, Periodika und andere Bibliotheksbestände hochwassersicher in den oberen Stockwerken des Neubaus untergebracht. Rund 120 000 Bände jagd- und forstwissenschaftlicher Literatur umfasst die Außenstelle der Staats- und Universitätsbibliothek.
Auch die Sanierung der flutgeschädigten Hochschulgebäude macht Erler zufolge Fortschritte. Der zentrale Altbau wurde im Frühjahr 2004, der Cottabau Ende 2004 fertiggestellt. Neu ist die Konzentration der Forstwissenschaften um einen zentralen Campus herum, von dem aus alle Institute gut erreichbar sind.
Der Campus ist nicht einfach ein freier Platz, er wurde mit Sitzecken und Pflanzgärten gestaltet. Drei Brücken über die Weißeritz verbinden den Campus mit der Stadt, eine werde privat über Spenden finanziert, erläutert Erler. Mit einbezogen in den Hochschulkomplex ist auch die Kuppelhalle, Tharandts wichtigstes Veranstaltungszentrum.
Tharandt verfügt heute über 19 forstwissenschaftliche Lehrstühle. Mit 600 bis 650 Studenten hat man mittlerweile die Kapazitätsgrenze erreicht. Daher wurde die Zahl der Studienanfänger auf 90 begrenzt, damit aber auch sichergestellt, dass die Absolventen gute Berufschancen haben, wenn auch laut Erler nur noch jeder dritte in der staatlichen Forstwirtschaft Aufnahme findet. Gute Berufschancen gibt es in den Bereichen Privatforste, Natur- und Umweltschutz sowie Holzwirtschaft. Hinzu kommen internationale Aufbaustudien wie tropische Forstwirtschaft und der Master Holz sowie über 200 Studenten der Geo- und Hydrowissenschaften.
Nicht nur die gute Ausbildung macht Tharandt attraktiv. Es ist der Flair der historisch gewachsenen Kleinstadt, in deren Kern nur etwas mehr als 2500 Menschen leben. Hinzu kommt die Landschaft des Osterzgebirges, gleichermaßen bei Wanderern, Sportlern und Naturfreunden beliebt.
Ein weiter Pluspunkt: Die schnelle Anbindung an Dresden. In 15 bis 20 Minuten erreicht man den mit der S-Bahn oder dem Regionalexpress den Dresdner Hauptbahnhof und damit das umfangreiche Hochschulareal. Nach der Flut wurde nicht nur der Tharandter Bahnhof ausgebaut, er erhielt auch einen modernen Busbahnhof.