Der Diskussion um den Aufbau der Brandenburgischen Universitäten in den letzten zwanzig Jahren lag ein Gutachten des DDR-Forschers Jens Hüttmann zugrunde, das der Universität Potsdam und der Viadrina in Frankfurt (Oder) im wesentlichen ein gutes Zeugnis ausstellt, was die Erarbeitung und Vermittlung von Wissen über die einstige SED-Diktatur betrifft. Keine Rolle spielte die BTU Cottbus in dem Gutachten, auch wegen ihrer verstärkt naturwissenschaftlichen Ausrichtung.

Insbesondere die Lehrerausbildung sei laut Hüttmann an der Uni Potsdam und an der Viadrina beispielhaft. Dass dennoch bei den Schülern die Erkenntnis über die jüngere Vergangenheit marginal bleibt, erklärt er vor allem mit dem Einsatz von fachfremden Lehrern beispielsweise im Fach Geschichte.

Der Gutachter weist aber auch auf einige Erkenntnisse hin, die eine kritische Beurteilung des Forschungs- und Lehrbetriebs nahelegen. So konzentriert sich die wissenschaftliche Tätigkeit an den Universitäten des Landes oft auf Themen aus dem Bereich der Künste und Literatur. Die Beschäftigung beispielsweise mit der Geschichte des Widerstandes gegen die Herrschaft der SED fehlt weitgehend. Auch Themenfelder wie die Wirtschaftsgeschichte der DDR werden nur sehr bruchstückhaft behandelt.

Mitglieder der Kommission fragten angesichts solcher Befunde vergeblich nach den Gründen für diese Konzentration auf Themen, die zumindest dem Anschein nach geringeren politischen Sprengstoff beinhalten. Brandenburg hatte im Gegensatz zu den anderen ostdeutschen Ländern 1990 keine eigene Universitätslandschaft und begann erst mit dem Aufbau dieser Einrichtungen. Dass es dabei zu erheblichen Mängeln kam, machte die weitere Diskussion mit Sachverständigen schnell deutlich.

Geschichts-Professor Manfred Görtemaker, maßgeblich beteiligt am Aufbau der Universität Potsdam und dort der Lehrerausbildung, schilderte die Schwierigkeiten, die mit der Übernahme einer Vielzahl von Wissenschaftlern verbunden waren. Diese hatten zuvor in den DDR-Wissenschaftseinrichtungen gearbeitet, mit denen die SED in Potsdam ihren Kadernachwuchs sicherte. Görtemaker sagt, diese von der Politik gewünschte massenhafte Übernahme von teilweise nicht hinreichend qualifiziertem wissenschaftlichen Personal mit einer zuweilen auch politisch problematischen Vergangenheit belaste die Uni Potsdam bis heute.

Bei der Anhörung wurde auch deutlich, dass zunächst die Universität zögerte, Mitarbeiter zu entlassen, die als Spitzel der Staatssicherheit gearbeitet hatten. Dies habe sich allerdings nicht direkt auf die Forschung und Lehre zum Thema DDR ausgewirkt, so Görtemaker. Die schon in der DDR tätigen und heute noch an der Universität arbeitenden Wissenschaftler konzentrierten sich beispielsweise in den Sprachwissenschaften. Da habe er selbst darauf geachtet, dass die wissenschaftlichen Standards eingehalten werden. Görtemaker verwies darauf, dass zuweilen schlicht finanzielle Gründe eine angemessene Lösung verhinderten.

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Enquetekommission: Gutachter muss nachbessern Die Enquetekommission zur Aufarbeitung der Nachwendejahre hat den Politologen Steffen Alisch aufgefordert, sein umstrittenes Gutachten nachzubessern. Alisch war in seiner im Auftrag des Gremiums erstellten Abhandlung zu dem Schluss gekommen, dass Brandenburgs Parteien durchgängig wenig Interesse an einer Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit gehabt hätten. Der Abgeordnete Thomas Günther, der für die SPD in der Kommission sitzt, hatte im September öffentlich scharfe Kritik an dem Gutachten geäußert, sich in der Sitzung am Freitag jedoch erstmals dafür entschuldigt. dpa/jag