Die Kritik der Expertenrunde kam gestern am Landtag geballt: Die Pläne von CDU und FDP, bis 2020 mehr als 1000 Stellen an den 15 sächsischen Hochschulen einzusparen, fielen bei den Rektoren und Prorektoren durch. Zumal sich Sachsens Unis und Fachhochschulen derzeit über regen Zulauf freuen können.

So berichtete Swantje Heischkel, die neue Kanzlerin der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) von einem wahren Bewerberansturm. Für das Wintersemester seien die Studienangebote bis zu 34-fach überfragt, so Heischkel. Trotzdem verfüge die HTWK über knapp 40 Stellen weniger als vergleichbare Hochschulen.

Und damit nicht genug. Um die Sparvorgaben zu erfüllen, muss inzwischen jede altersbedingt freiwerdende Stelle eingestampft werden. Ein solches Klima der Schrumpfung ist der Stimmung unter Studierenden und Mitarbeitern nicht gerade zuträglich. "Für eine nachgefragte Region wie die um Leipzig ist das das falsche Zeichen", sagte Heischkel im Dresdner Landtag.

Für die Uni Leipzig warnte der Institutsdirektor für öffentliche Finanzen und Public Management, Thomas Lenk, vor Abbauungleichgewicht zulasten der Messestadt. Denn die dortige Wissenschaftsregion muss laut Plänen von Schwarz-Gelb 42 Prozent des geforderten Abbaus tragen. Während die Exzellenz-Uni TU Dresden als neues Aushängeschild der sächsischen Wissenschaft zunächst ihre Stellen behalten kann. Dieses "Geschenk an die Dresdner", wie Lenk es nannte, dürfe andere Hochschulen nicht benachteiligen.

Prognosen zufolge werden die Studierendenzahlen im Freistaat mindestens bis 2016 steigen. Parallel dazu will die schwarz-gelbe Staatsregierung im Zuge des Hochschulpakts bis 2020 die Hochschulen um 1042 Stellen ausdünnen. Dass beides zusammen geht, bezweifeln sowohl die Wissenschaftsvertreter als auch die Landtagsopposition. "Wir fordern die Staatsregierung auf, zumindest bis 2016 keine Stellen einzusparen", sagt Holger Mann, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Nur so könne das Land auf den erfreulichen Bewerberansturm angemessen reagieren.

Derzeit studieren in Sachsen rund 112 000 junge Leute - das sind fast 30 000 mehr als Prognosen der Kultusministerkonferenz (KMK) vorausgesagt hatten. Zu den Gründen hierfür gehören auch die doppelten Abiturjahrgänge, die die Unis noch bis 2016 irgendwie unterbringen müssen. Deshalb hat die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz im April den Hochschulpakt neu verhandelt. Ergebnis: Der Bund macht weitere 2,2 Millionen Euro locker, wenn die Länder "vergleichbare finanzielle Leistungen" erbringen, um neue Studienplätze zu schaffen. Das allerdings steht im Widerspruch zur sächsischen Sparpolitik.

Die Hochschulen pochten daher gestern auf ihre Bedeutung als Standortfaktoren: "Gerade Hochschulen müssen als Impulsgeber da fungieren, wo die Wirtschaftsstrukturen weggebrochen sind", sagte Andreas Handschuh, Kanzler der TU Bergakademie Freiberg. Der Rektor der Hochschule Mittweida, Ludwig Hilmer, vermeldete, sein Haus nähere sich mit nur noch 108 Professoren "langsam der qualitativen Grundversorgung" an.