Hinter den "organisatorischen Gründen" verbirgt sich jedoch weitaus mehr: Die Parteien haben offenbar zunehmend Probleme, Sponsoren aus der Wirtschaft für derlei Veranstaltungen zu finden. Das Geld ist knapp, und die Firmen sind vorsichtiger geworden. Im Internet sind 24 namhafte Geldgeber gelistet, die "das Medien event des Jahres" im Konrad-Adenauer-Haus letztes Jahr abgesichert haben. Insgesamt fand es schon sieben Mal statt. Aus CDU-Kreisen heißt es: "Die Absage hat auch finanzielle Gründe." Auf Grund gesunkener Sponsoringeinnahmen hätte man dem gewohnt "hohen qualitativen Anspruch in diesem Jahr" nicht gerecht werden können. Wie groß die finanzielle Lücke wegen fehlender Sponsoren-Gelder am Ende gewesen ist, dazu will man sich in der Union nicht äußern. Dass die Wirtschaft nicht mehr so spendierfreudig ist, daran ist auch der öffentliche Streit um das Parteiensponsoring schuld. Ausgelöst wurde er durch die CDU in Nordrhein-Westfalen, die Ausstellern auf Parteitagen Gespräche mit Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gegen Geld angeboten hatte. Viele Unternehmen sind durch diese Debatte abgeschreckt worden und gehen jetzt auf Distanz, um nicht in Verruf zu geraten. Die Liberalen spüren dies deutlich: Bei ihrem Bundesparteitag nächste Woche in Köln ist die Zahl der Aussteller von 70 auf unter 60 gesunken. "Es gibt einen Rückgang", bestätigen die Liberalen. "Ob das nachhaltig ist, wissen wir nicht." Einige Firmen begründen ihre Abstinenz allerdings auch mit der wirtschaftlichen Lage und Budgetproblemen. Für die Parteien ist das ein riesiges Problem: So ein Parteitag verschlingt meist zwischen 200 000 und 500 000 Euro. Je nach Aufwand und Dauer ist ab und an sogar mal eine Million Euro fällig. Bleiben Aussteller weg, lassen sich Hallenflächen also nicht vermieten, reißt das Löcher in die Kasse. Bei Sozialdemokraten und Grünen tut man allerdings so, als ob es sich nur um ein Problem des bürgerlichen Lagers handeln würde. "In diesem Jahr veranstaltet die SPD einen eintägigen Parteitag Ende September, das Interesse von Sponsoren sich dort zu präsentieren, besteht im üblichen Umfang", so Schatzmeisterin Barbara Hendricks gegenüber der RUNDSCHAU. Es sei aber noch zu früh, eine abschließende Beurteilung vorzunehmen.In Berlin wird allerdings kolportiert, dass einige Parteigliederungen durchaus Absagen von Sponsoren für ihre Veranstaltungen kassiert haben. Auch die Grünen, die in Köln demnächst ihren Länderrat veranstalten, wollen von dem Thema nichts wissen. Bundesschatzmeister Dietmar Strehl betont: Das Treffen dauere nur vier bis fünf Stunden, "da lohnt sich für Firmen und andere Organisationen der Aufwand nicht, mit einem Stand präsent zu sein". Wahr ist aber auch: Inzwischen beäugen sich die Parteien gegenseitig, wer wen als Sponsoren aufweisen kann. In der Hoffnung, daraus parteipolitisch Kapital schlagen zu können. Vorsicht ist deshalb geboten.