Jede Minute stirbt eine Frau an Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt - mehr als eine halbe Million im Jahr. All diese Kritikpunkte hat Unicef in seinem Jahresbericht aufgeführt, der gestern in Berlin vorgestellt wurde - genau 60 Jahre nach Gründung des Kinderhilfswerks.

"Doppelte Dividende"
"Kinder sollen nicht mehr unter den Sünden ihrer Eltern leiden", forderte dabei die Vorsitzende von Unicef Deutschland, Heide Simonis. Ohne starke Frauen gebe es keine starken Kinder. Diese Stärkung der Eltern sei deshalb eine "doppelte Dividende", da sich Frauen mit mehr Bildung und Unabhängigkeit auch für eine bessere Entwicklung von Kindern einsetzten. Tatsächlich werde ihnen aber oft bei grundlegenden Entscheidungen wie den Arztbesuch des Kindes oder Geburtsvorsorge jede Mitsprache verweigert.
Laut Unicef bekommen rund 14 Millionen Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren pro Jahr ein Kind, viele von ihnen wurden vorher zwangsverheiratet. Auf der afrikanischen Tropeninsel Madagaskar sollen rund 70 Prozent aller Mädchen im Alter von 16 Jahren bereits Mutter sein. "Wo die Menschenrechte von Frauen mit Füßen getreten werden, leiden immer auch Kinder", betonten Unicef-Vertreter. "Die weibliche Hälfte der Menschheit wird bis heute in allen Regionen der Welt benachteiligt", heißt es im Bericht "Zur Situation der Kinder in der Welt 2007".
"Das weibliche Geschlecht steht oft am unteren Ende der Skala", ergänzte Unicef-Botschafterin Sabine Christiansen. Die Fernsehmoderatorin verwies auf Erzählungen aus Indien, wo es einem Todesurteil gleichkomme, ein Mädchen zu sein. Damit spielte sie auf die hohe Abtreibungsrate von weiblichen Föten an. Die indische Frauenrechtlerin Pawan Surana fügte hinzu: "Bei den Kindern bis sechs Jahren kommen auf 1000 Jungen nur rund 900 Mädchen."

Nicht lesen, nicht schreiben
Mehr als 115 Millionen Kinder im Grundschulalter gehen laut dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen nicht zur Schule, die Chancen der Mädchen auf Bildung sind dabei schlechter als die der Jungen. Weltweit leben laut Unicef zudem 130 Millionen Frauen und Mädchen mit verstümmelten Genitalien, jeden Tag kommen 8000 Opfer hinzu. Vor allem in afrikanischen Ländern, im Nahen Osten und Teilen Südostasiens werde diese grausame Tradition weiter praktiziert. Frauenhandel sei ein weltweites Geschäft.
Als besonders brutale Form der Gewalt prangerte Unicef Ehrenmorde in mindestens 14 Ländern an, darunter in Jordanien, Pakistan, der Türkei, aber auch in Italien, Großbritannien und Schweden.