. Finanzminister Georg Unland (CDU) ist ein Mann der klaren Worte. Namentlich wenn es um Namen geht. Sein Parteikollege, der Leipziger Landtagsabgeordnete Ronald Pohle, wollte in einer kleinen Anfrage von Unland wissen, ob es denn stimme, dass das Leipziger Paulinum schon jetzt mehr als doppelt so teuer ist wie geplant. So hatte es die Leipziger Volkszeitung im März geschrieben. In seiner Antwort, gerade frisch erschienen, verneint der Minister das entschieden. Die "beschriebene Baukostenüberschreitung", lässt er wissen, bezieht sich auf den gesamten vierten Bauabschnitt des Umbaus der Leipziger Uni. Da ist das Paulinum, der charakteristische Neubau der alten Uni-Kirche, nur ein Teil von. Aber ja, dieser vierte Bauabschnitt hat bis jetzt 117,5 Millionen Euro gekostet - statt 52,5 Millionen, wie es 2006 geplant war.

Die Leipziger haben sich trotzdem längst angewöhnt, das gesamte Riesenprojekt Paulinum zu nennen. Wie eben jenen gläsernen Teil des Gebäude-Ensembles am Augustusplatz, der die Form einer gotischen Kirche hat. Unland sagt dazu lieber "Aula-/Kirchenraum". Ein technischer Begriff für ein leidiges Thema. Schon zweimal musste der zuständige Minister die Einweihung des Paulinums verschieben. 2009, zum 600. Geburtstag der Uni, war noch kein Ende in Sicht. 2014, zum 605. Geburtstag, konnte zum Trost für eine weitere Verschiebung immerhin der Grundstein für den Altar gelegt werden.

Der Umbau der Leipziger Uni mit allen vier Bauabschnitten wird am Ende mehr als 250 Millionen Euro gekostet haben. Das Paulinum entsteht seit 2007 genau dort, wo im Mai 1968 die 800 Jahre alte Paulinerkirche gesprengt wurde. Der Bau soll nach Ansicht vieler Leipziger eine über vier Jahrzehnte klaffende Wunde schließen. Für andere bleibt der Entwurf des Rotterdamer Architekten Erick van Egeraat ästhetisch und inhaltlich ein Zankapfel. Eine Bürgerinitiative wollte die alte Kirche in aller Pracht wiederhaben, die Uni wollte ein nutzbares Seminargebäude. Man einigte sich auf eine Glaswand, die den Raum in zwei Hälften teilt - eine Aula und eine Kirche.

Auch solche Sonderwünsche machten das Projekt teurer. Unland verweist auf die "sehr anspruchsvolle architektonische Konzeption des Bauwerks". Viermal musste der Freistaat die Kosten für Egeraats Entwurf nach oben korrigieren. Dann ging Egeraats Firma mitten in der Finanzkrise pleite. Die Projektleitung für den vierten Bauabschnitt musste neu ausgeschrieben werden. Hinzu kamen unvorhersehbare Dichtungsarbeiten, Preissteigerungen, Verzugskosten und der erhöhte Mehrwertsteuersatz, sagt der Finanzminister.

Zuletzt waren es aber die Säulen im Kirchenraum, die den Bau weiter in die Länge zogen. Die Säulen sollen eine aufwendige Glasverkleidung bekommen. Aufgrund des "Prototypencharakters" dieser Sonderelemente könne von einem regulären Bauablauf keine Rede sein, erklärt Minister Unland. Man befinde sich eher in einem "experimentelles Erproben, wie man fertigungstechnisch den vom Architekten gewünschten Eindruck erreichen kann". Wie lange das Experiment noch dauert, weiß der Minister nicht.

Womöglich aber doch länger als die Wiedereröffnung der Berliner Staatsoper, so sie denn im Oktober 2017 gelingt. Auch die wurde mehrmals verschoben und wurde deutlich teurer. Statt 239 Millionen Euro werden es wohl um die 400 Millionen.