Die ehemalige Lehrerin hatte 1993 mit dem Aufbau der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugend und Schule (RAA) in Hoyerswerda begonnen. Bis heute ist sie Vorstandsvorsitzende.
Der eingetragene Verein betreut einen Jugendclub, leistet Suchtprävention, begleitet Projekte der politischen und zeitgeschichtlichen Bildung. Unter dem Motto „Ferienspaß im Nachbarland“ wird ein alljährliches Ferienlager in Tschechien organisiert. Rund 10 000 Kinder haben inzwischen auf diesem Wege das Nachbarland besser kennengelernt. Es gibt bei der RAA keine „akzeptierende Jugendarbeit“ mit rechtsextremen Jugendlichen. Wer sich als Rechtsradikaler bekennt, fliegt raus. Die RAA hat guten Kontakt zum Mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus.
Manchmal ist Helga Nickich zornig, weil weit weg von Hoyerswerda immer noch ausschließlich die Krawalle von 1991 mit dem Namen der Stadt verbunden werden: „Was wir hier all die Jahre geleistet haben, das scheint nicht zu zählen.“ Wenn sie heute noch im Urlaub in Westdeutschland darauf angesprochen werde, sage sie nur: „Kommt her und schaut es euch an.“
Die RAA-Vorsitzende hält die Stadt heute für nicht mehr oder weniger anfällig für rechtsradikales Denken als vergleichbare Kommunen. Immerhin habe es ziemlich lange gedauert, bis die NPD kürzlich einen Kreisverband Hoyerswerda/Kamenz gründen konnte - als letzte in Sachsen. Wenn in Ostsachsen rechtsextremistische Flugblätter oder CDs auf Schulhöfen verteilt werden, fange man aber immer noch gern in Hoyerswerda an, sagt sie.
Sorge bereitet Helga Nickich der immer noch vorhandene alltägliche Rassismus älterer Leute: „Die platten Parolen von den Ausländern, die uns angeblich die Arbeit wegnehmen, das gibt mir zu denken.“ Eigentlich, sagt sie, müsste sich jeder in der Stadt mitverantwortlich fühlen für das, was damals passiert ist. Die RAA habe ihren Beitrag geleistet: „Was sollen wir sonst noch tun?“